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Tägliches Fernsehen fördert Hang zur Gewalt  
  Mehr als eine Stunde Fernsehen am Tag fördert bei jungen Erwachsenen auf Dauer einen Hang zu gewalttätigem Verhalten. Das gilt vor allem für junge Männer, aber auch für erwachsene Frauen, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science". Wenn die tägliche Fernsehzeit drei Stunden überschreitet, nimmt die Rate von gewaltsamen Übergriffen wie Körperverletzung und Raubüberfällen demnach sogar dramatisch zu.  
Jeffrey Johnson und Kollegen von der Columbia Universität in New York beobachteten Jugendliche aus 707 Familien über einen Zeitraum von 17 Jahren und stellten fest, dass mit der vor dem Fernsehgerät verbrachten Zeit auch die aggressiven Ausschreitungen zunahmen.
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Details der Studie
In der Studie wurde das Fernsehverhalten 1975, 1983, 1985-86 und 1991-93 untersucht. Die Angaben über das Aggressionsverhalten basieren auf Interviews mit den Probanden sowie Polizeiunterlagen, die zuletzt 2000 überprüft wurden. Untersucht wurden Familien aus ländlichen und städtischen Regionen im US-Staat New York.
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Unabhängig von Faktoren wie Alter ...
Dieser Zusammenhang von Fernsehen und Gewalt war unabhängig von anderen Faktoren wie elterlicher Vernachlässigung im Kindesalter, Familieneinkommen und -stand sowie psychologischen und psychiatrischen Störungen nachweisbar, schreiben die Autoren.
Auch junge Erwachsene betroffen
Die Studie von Johnson und Kollegen zeigt als erste auf, dass nicht nur Kinder durch TV-Gewalt aggressiv werden, sondern auch noch Jugendliche und junge Erwachsene.

Durch die große Anzahl von Teilnehmern und die Dauer der Untersuchung gelang es außerdem, nicht nur die Tendenz zur Aggressivität aufzuzeigen, sondern in einigen Fällen sogar schwerwiegende Auswüchse wie Körperverletzung und Raubüberfälle.
Gesamter Fernsehkonsum einbezogen
Die gewonnenen Erkenntnisse seien eindeutig, sagte Johnson, der das Forscherteam leitete. Es handele sich um die erste Studie, die sich nicht auf die Auswirkungen von Fernsehfilmen mit Gewaltdarstellungen beschränke, sondern den gesamten Fernsehkonsum einbeziehe und die Probanden über viele Jahre begleitet habe.
Deutlicher Anstieg des aggressiven Verhaltens
"Ich war überrascht, einen fünffachen Anstieg aggressiven Verhaltens bei weniger als einstündigem Fernsehkonsum und drei oder mehr Stunden zu beobachten", sagte Johnson. Von den Jugendlichen, die im Alter von 14 Jahren weniger als eine Stunde vor dem Fernseher saßen, waren im Alter von 16 bis 22 Jahren 5,7 Prozent an Gewalttaten beteiligt.

Für die, die zwischen einer und drei Stunden lang fernsahen, betrug die Rate 22,5 Prozent, bei den eifrigsten Fernsehkonsumenten sogar 28,8 Prozent. Am deutlichsten war der Unterschied bei Jungen: Hier betrugen die Zahlen 8,9 Prozent, 32,5 Prozent und 45,2 Prozent.
Tipp des Experten: Maximal eine Stunde erlauben
Die Ergebnisse zeigten, dass verantwortungsbewusste Eltern ihre Kinder - zumindest in früher Jugend - nicht mehr als eine Stunde lang fernsehen lassen sollten, erklärte Johnson, der an der Columbia-Universität sowie dem Psychiatrischen Institut des Staats New York tätig ist.
Viele warnen vor Gefahr
Ein Begleitkommentar von "Science" verweist darauf, dass sich Experten schon seit 1946, nach der Ausstrahlung der ersten Programme, über den negativen Effekt von Fernsehgewalt sorgen.

Inzwischen sehen tatsächlich viele wichtige US-Organe wie die Amerikanische Akademie der Kinderärzte, die Ärztegesellschaft (AMA) sowie die Psychologen- und Psychiaterverbände "überwältigende" Beweise für die Erziehung zur Gewalt durch gewalttätige Fernsehprogramme.
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The Effects of Media Violence on Society
Der Artikel "Television Viewing and Aggressive Behavior During Adolescence and Adulthood" (Johnson und Kollegen) sowie der Begleitkommentar "The Effects of Media Violence on Society" sind erschienen im Fachmagazin "Science", Bd. 295, Nr. 5564, vom 29. März 2002.
Der Artikel von Jeffrey Johnson und Kollegen (kostenpflichtig)
Der Begleitkommentar (kostenpflichtig)
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Von der Öffentlichkeit ignoriert
"Trotz der Übereinstimmung zwischen den Experten ist die Erkenntnis noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen", klagen die Psychologen Craig Anderson und Brad Bushman von der Staatlichen Universität Iowas in dem "Science"-Kommentar.

Der negative Einfluss von Fernsehgewalt auf jüngere Kinder sei unmissverständlicher nachgewiesen als zum Beispiel der Nachteil von Kalziummangel für die Knochendichte oder die Gefährdung der geistigen Entwicklung durch Blei.
 
 
 
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