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Embryonale Stammzellen erstmals durch Jungfernzeugung  
  Embryonen, Nabelschnurblut, Rückenmark, zuletzt gar Kinder-Milchzähne: Die Quellen und Methoden, um die medizinisch bedeutsamen Stammzellen zu gewinnen werden immer zahlreicher. Nun kommt eine weitere hinzu: US-Forscher haben erstmals embryonale menschliche Stammzellen per Jungfernzeugung - also ohne das Zutun männlicher Samenzellen - entstehen lassen.  
Ausschließlich Erbinformation der Mutter
Jungfernzeugung ("Parthenogenese") bedeutet in diesem Zusammenhang, dass menschliche Eizellen ohne Befruchtung durch einen elektrischen oder chemischen Reiz von außen dazu angeregt werden, sich zu teilen und sich in ein frühes embryonales Stadium weiter zu entwickeln.

Diese Embryonen enthalten ausschließlich die Erbinformation der Mutter und können sich nicht zu einem lebensfähigen Menschen entwickeln.
Stammzellen überlebten einige Tage
Wie die aktuelle Ausgabe des "New Scientist" berichtet, gelang es Helen Lin und Kollegen von der US-Biotechnologiefirma Stemron, daraus zum ersten Mal menschliche Stammzellen zu isolieren, die für einige Tage überlebten.
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Die Original-Studie ist unter dem Titel "Multilineage Potential of Homozygous Stem Cells Derived from Metaphase II Oocytes" in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Stem Cells" (Bd. 21, S. 152) erschienen. "New Scientist" brachte darüber eine Meldung in seiner jüngsten Ausgabe (Nr. 2392, S. 17).
->   Der Artikel in "Stem Cells"
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Nächster Schritt: Stammzell-Linien
Bisher waren derartige Versuche nur mit unbefruchtetem Gewebe von Affen und Mäusen gelungen. Der nächste Schritt ist es nun, auch die menschlichen Stammzellen in einer Kultur unbefristet weiterwachsen zu lassen und Stammzell-Linien zu erhalten.
Entwickeln sich zu Gewebe, nicht zu Lebewesen
Säugetier-Embryonen, die parthenogenetisch entstanden, können nach Forscher-Auskunft nicht zu lebensfähigen Babys, sondern nur zu einzelnen Geweben heranwachsen. Damit würden bei ihnen auch ethische Einwände entfallen, wonach die Entnahme von Stammzellen entwicklungsfähiges Leben zerstört.
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Parthenogenese
Die natürliche Parthenogenese ist im Tierreich eine Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der die Nachkommen aus unbefruchteten Eiern entstehen. Sie sind Klone der Mutter. Bei vielen Tiergruppen - Beispiele sind etwa Insekten wie die Honigbiene oder auch Wasserflöhe - wechseln Parthenogenese und sexuelle Fortpflanzung einander in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ab (konstante bzw. zyklische Parthenogenese). Chemische, mechanische oder auch thermische Reize können Parthenogenese künstlich auslösen oder beenden. Im übrigen ist das Sujet der "männerlosen" Fortpflanzung im feministischen Science-Fiction sehr beliebt.
->   Mehr über Parthenogenese (www.faunistik.net)
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Vorteil: Weniger Immunreaktion bei Transplantation
Parthenogenetisch erzeugte Stammzellen haben nach Auffassung der Forscher den Vorteil, dass sie aus zwei identischen Chromosomenpaaren und nicht aus einem mütterlichen und einem väterlichen Teil entstanden sind.

Dadurch hätten sie weniger Variationen in den Oberflächen-Proteinen, was bei einer Transplantation des Gewebes wiederum weniger Immunreaktionen hervorrufe.
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Unbefruchtete Affen-Eizelllen
Bereits Anfang 2002 berichteten US-Forscher in "Science" (Bd. 295, S. 819) von einem ähnlichen Ersatz für embryonale Stammzellen: Sie gewannen aus unbefruchteten Eizellen von Affen eine Art früher Embryonen.
->   Mehr dazu in: Eizellen statt embryonale Stammzellen (31.1.02)
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Nachteil: Bisher beschränkter "Kundenkreis"
Einen Nachteil hat das Verfahren jedoch auch: Da dazu unbefruchtete Eizellen nötig sind, funktioniert es bei Frauen jenseits der Menopause und bei Männern bislang nicht.

Die Forscher hoffen jedoch, dass eine umfangreiche Bank mit parthenogenetisch erzeugten Stammzellen in Zukunft auch Männern und älteren Frauen weiterhelfen könnte.
->   New Scientist
->   Stem Cells
->   Mehr über Stammzellen in science.ORF.at
 
 
 
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01.01.2010