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Vulkane in Ecuador  
  Vulkanologen beschäftigen sich nicht nur mit den geologischen Eigenschaften von Vulkanen, sie versuchen auch etwaige Ausbrüche vorherzusagen. Christoph Urbanek vom Institut für Geologische Wissenschaften der Universität Wien stellt dieses Forschungsgebiet im Rahmen der Reihe "University meets Public" exemplarisch vor. Sein Interesse gilt vor allem den in den nördlichen Anden gelegenen Vulkanen Ecuadors.  
Vulkane am Äquator - Geologische Rundreise durch Ecuador
Von Christoph Urbanek

Vulkanologie ist die Wissenschaft, die sich mit der systematischen Erforschung von Vulkanen beschäftigt und eine Teildisziplin der Geologie ist. Eines ihrer Hauptziele ist die Vorhersage von Vulkanausbrüchen. Um dieses Ziel zu erreichen, beschäftigt sich die Vulkanologie mit dem chemischen und physikalischen Aufbau der Erde, der detaillierten chemischen Zusammensetzung vulkanischer Gesteine und dem strukturellen Aufbau von Vulkanen. Teildisziplinen wie Seismologie und Geophysik sind dabei ein wichtiger Bestandteil.
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"University meets Public" in science.ORF.at
Das Kooperationsprojekt "University meets Public" zwischen dem Verband Wiener Volksbildung und der Universität Wien gibt es seit fünf Jahren. Nach dem Motto "leicht verständlich, unabhängig von Vorbildung und ohne finanzielle Barrieren" werden auch in diesem Semester eine Reihe von Vorträgen und Veranstaltungen angeboten. science.ORF.at stellt einige der Inhalte in Form von Gastbeiträgen vor.

Vortrag von Christoph Urbanek: "Vulkane am Äquator"
Ort: Volkshochschule Landstraße
Zeit: Do, 29.4.04, 19.30-21.00
->   "University meets Public"
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Moderne Plattentektonik

Die Ursache für das Entstehen von Vulkanen und ihre Entwicklung liegen in der Plattentektonik begründet. Sie erklärt den Wissenschaftern als Model warum flüssiges Gesteinsmaterial in den unterschiedlichsten Regionen entsteht und an der Oberfläche austritt.

Die mechanische Grundlage für die Plattentektonik ist die Mantelkonvektion, die durch die Temperaturdifferenz zwischen dem heißen Erdkern und der dazu relativ kalten Erdoberfläche angetrieben wird.

An den Stellen aufsteigender Gesteinsschmelzen (Magma) liegen die Mittelozeanischen Rücken, während dort, wo Magma wieder in tiefere Mantelschichten zurücksinkt, so genannte Subduktionszonen mit Tiefseegräben entstehen.
Vorhersage von Vulkanausbrüchen
Mit der wachsenden Erdbevölkerung wird der Druck, auch vulkanisch aktive Gebiete zu bevölkern, immer größer. Quito liegt als Hauptstadt von Ecuador mit 1.8 Millionen Einwohnern direkt am Fuße des aktiven Vulkans Pichinchas.

Hinzu kommt, dass vulkanische Böden mineralreich und somit sehr fruchtbar sind. Bei zukünftigen Vulkanausbrüchen werden also in zunehmendem Maße Menschen betroffen sein.

Um die Zahl der Opfer und Schäden im Falle eines Ausbruchs möglichst niedrig zu halten, werden präzise Vorhersagen über Zeitpunkt, Art und Stärke von Eruptionen immer notwendiger.

Um solche Vorhersagen treffen zu können benötigen die Wissenschaftler sowohl grundlegende Informationen über vulkanische Mechanismen sowie über das geschichtliche Verhalten eines Vulkans.
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Monitoring: Überwachung der Vulkane
Hinzu kommt das Monitoring, die ständige Überwachung des
Vulkans. Dabei achtet man auf wichtige Veränderungen, die beim Aufstieg des Magmas, vor einer Eruption hervorgerufen werden: So etwa vulkanische Erdbeben, die Ausdehnung von Magmakammern im Untergrund, sowie verstärkte Entgasung, veränderte Gaszusammensetzung und Temperaturveränderungen.
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Vulkane in Ecuador
Südamerika ist eine der größten und vulkanisch aktivsten Region der Erde. Die tektonische Verschiebung der pazifischen Nazca-Platte Richtung Osten unter die südamerikanische Platte erzeugt eine der höchsten Gebirgszüge - die Anden.

Dadurch unterteilt sich diese so genannte Subduktionszone in drei vulkanisch aktive Abschnitte. Einer davon in den nördlichen Anden erstreckt sich von Kolumbien der Küste entlang bis nach Ecuador. Zu den wohl bekanntesten aktiven Vulkanen in Ecuador zählen der Pichincha, der Tungurahua und der Cotopaxi.
Pichincha

Der Guagua Pichincha ist ein Stratovulkan nur 13 Kiometer westlich von Quito mit rund 1.8 Millionen Einwohnern die Hauptstadt Ecuadors.

Der Vulkan hatte kleinere Ausbrüche in den Jahren 1981, 1982, 1997 und 1998 zu verzeichnen. Die letzte vulkanische Aktivität, die die Bewohner in und rund um die Hauptstadt stark beroffen hat, fand im Oktober 1999 statt.

Dabei wurden große Mengen an vulkanischer Asche ausgestoßen, die ernste Probleme bei der Luftqualität und im Luftverkehr darstellten.
Tungurahua
Bild: EPA
Im selben Jahr - 1999 - wurden auch am Vulkan Tungurahua starke Aktivitäten verzeichnet, die zur Evakuierung der am Fuße gelegnenen Stadt Banos führten.

Dieser Stratovulkan zeichnet sich vorallem durch seine steilen Flanken und besondere Unberechenbarkeit aus. Durch die Ausbrüche im September bzw. Oktober 1999 hat der Tunugurahua seine Schneebedeckung verloren.

Es sind zumindestens 17 historische Eruptionen bekannt, die besiedeltes Gebiet stark in Mittleidenschaft gezogen haben.
Cotopaxi
Bild: EPA
Der symmetrisch gebaute, gletscherbedeckte Cotopaxi ist Ecuadors bekanntester Vulkan und historisch gesehen einer der aktivsten. Die jetzige konische Form des Vulkans entstand vor etwa 5000 Jahren.

Besonders seine weitverbreiteten pyroklstischen Ströme und zahlreichen historsichen Ausbrüche haben die Umgebung des Vulkans maßgeblich geformt.

Die heftigsten Eruptionen wurden 1744, 1768 und vorallem 1877 verzeichnet, als Schlamm- und Ascheströme (sog. Lahare) mehr als 100 Kilometer bis in den Pazifischen Ozean und das westliche Amazonasbecken reichten. Der letzte signifikante Ausbruch fand 1904 statt.
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Informationen zum Autor Christoph Urbanek
Christoph Urbanek, geb. 1976, Studium der Geologie an der Universität Wien, seit 2001 Projektassistent des internationalen Palaeoanthropological Research-Teams. Arbeitsgebiete sind Rift-Tektonik, Geochronologie und Vulkanologie.
->   Institut für Geologische Wissenschaften der Universität Wien
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"University meets Public" in science.ORF.at:
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->   Statistik: Der (falsche) Umgang mit den Zahlen (7.4.04)
->   Michael Ley: Das Ende des europäischen Nationalismus (9.3.04)
 
 
 
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