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Schottische Gedichte ins Wienerische übersetzt  
  Das Schottische ist, was die Vielfalt an Dialekten betrifft, durchaus mit dem Wienerischen vergleichbar. Im Rahmen eines FWF-Projektes übersetzt eine Wiener Anglistin derzeit schottische Gedichte ins Wienerische.  
Junger Forschungszweig "Scottish Studies"
"Scottish Studies" sind in der Forschungslandschaft Österreichs ein vergleichsweise junger Zweig.

Die Absicht von Heidi Prüger vom Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Wien ist es nun, innerhalb des FWF-Forschungsprojekts "Schottische Dichtung aus unserer Zeit" eine Anthologie mit rund 100 schottischen Dichtern und Dichterinnen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts zu erstellen und mit eigenen Übersetzungen der Gedichte ins österreichische Deutsch zu ergänzen.
Untersuchung von Anthologien
In Schottland genießt das Gedicht hohe Wertschätzung: "Allein im 20. Jahrhundert sind um die 100 Anthologien schottischer Dichtung in Schottland erschienen. Außerdem wurden um die 20 schottische Lyrikanthologien in Übersetzung publiziert", schildert Prüger in "www.dieuniversitaet- online.at".

Im Laufe des Projekts hat sie eine repräsentative Auswahl von 50 Anthologien genauer untersucht und einen "Index to 20th-Century Scottish Poets in Selected Anthologies" von 420 Autoren und deren Gedichten erstellt. Auffällig dabei sei der geringe prozentuelle weibliche Anteil der Autoren.
Berücksichtigung auch des literarischen "Untergrunds"
Für die Auswahl der Autoren hat sie deshalb auch Einzelpublikationen, Literaturzeitschriften und Internetliteratur berücksichtigt und sogar per Inserat nach weniger bekannten DichterInnen gesucht. "Im 'Untergrund' wächst der weibliche Anteil literarisch Schaffender", erläutert Prüger.

"Zur 'Untergrundliteratur' zählen auch Pamphlete und Eigenverlagspublikationen. Aus Frustration über die schwerfällige Verlagsszene entstanden in Schottland in den letzten Jahren Writers' Groups, die ihre Werke in Pamphletform publizieren und von etablierten Autoren wie Tessa Ransford unterstützt werden."
Von Schottisch zu Wienerisch
Laut "www.dieuniversitaet- online.at" liegt Prügers besondere Leistung in der eigenen Übertragung der Gedichte aus dem Gälischen, dem Englischen und dem Schottischen ins österreichische Deutsch, wobei ihr das Wienerische aufgrund der Vielfalt an Varietäten durch das habsburgische Erbe besonders geeignet erscheint.

"Dadurch, dass ich alle Übertragungsarbeit allein vornehme, wird die Publikation aber 'aus einem Guss' sein", meint Heidi Prüger.
...
Übertragungs-Beispiel
Ein Gedicht von Tom Hubbard im schottischen Original und in der wienerischen Übertragung von Heidi Prüger (Beginn):

The Chagall Winnocks in Sanct Stehpen's Kirk, Mainz:
A gantin shell o stane:
Thirty year efter the bombs,
Transformed bi Marc Chagall
Lauchin throu his lang years:
A Levantine chronicle,
The humour o a pictur buik ...

De Chagall-Fensta im Mainza Steffl:
A goffads Loch im Sta,
Dreißg Joah noch de Bombm,
Vawaundlt vom Chagall,
Dem s Lebm an Locha kost:
A Lewantinagschicht
Mit Büdabuachhamua ...
...
Zukunftspläne
Das FWF-Projekt wird im Laufe des Jahres 2005 abgeschlossen sein, doch die Schottisch-Expertin hat bereits ein weiteres Ziel ins Auge gefasst: "Ich intendiere die Gründung einer Austrian Association for Modern Celtic (Scottish, Irish, Welsh) Studies, welche die österreichischen Lehr- und Forschungsinseln auf diesen Gebieten vernetzen und besser (re)präsentieren sowie den interuniversitären Austausch unterstützen soll."
->   Institut für Anglistik und Amerikanistik, Uni Wien
->   Mehr dazu in "www.dieuniversitaet- online.at"
 
 
 
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