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Warum Frauen Rosa lieben  
  Britische Forscher haben herausgefunden, dass es tatsächlich einen geschlechtsspezifischen Unterschied bei der Lieblingsfarbe gibt: Während Männer zu Blau-Grün tendieren, bevorzugen Frauen rötliche Blautöne.  
Anya Hurlbert und Yazhu Ling von der Universität Newcastle versuchen die weibliche Rot-Präferenz, die zu Rosa und Violett neigt, mit der Evolution zu erklären: Für (weibliche) Sammler war es wichtiger, rote Früchte vom grünen Hintergrund unterscheiden zu können als für (männliche) Jäger.
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Die Studie "Biological components of sex differences in color preference" ist am 21.8.07 in der Fachzeitschrift "Current Biology" (Bd. 17, Ausg. 16, S. 623) erschienen.
->   Abstract
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Geschlechtsneutrale Tendenz zu Blau
Die Forscherinnen legten 208 Personen - 171 Briten und 37 kürzlich eingewanderten Chinesen - eine Reihe von Farbpaaren vor. Die Probanden mussten rasch entscheiden, welche Farbe sie bevorzugten.

Im Blau-Gelb-Bereich gab es geschlechtsunabhängig eine eindeutige Blau-Präferenz, die allerdings bei den Briten wesentlich stärker ausgeprägt war als bei den Chinesen. Im Rot-Grün-Kontrast zeigte sich der Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Die weiblichen Testpersonen hatten wesentlich stabilere und stärker differenzierte Präferenzen als die Männer. Sie bevorzugten eindeutig rötliche Töne, was die Wissenschaftlerinnen auf die weiblichen Aufgaben in der Vergangenheit zurückführen.
Farbunterscheidung für Sammlerinnen wichtiger
Sie vermuten, dass es für Frauen in einer Jäger-und-Sammler-Gesellschaft wichtig war, reife, essbare Früchte vor grünem Blattwerk zu erkennen. Eine andere Erklärung wäre, dass die Unterscheidung feiner Nuancen der Gesichtsfarbe bedeutend war, um die emotionale Verfassung des Gegenübers einschätzen zu können.

Der Hang zu Rottönen war laut den Forscherinnen umso ausgeprägter, je femininer die Testpersonen nach dem Geschlechterrollentest "Bem Sex Role Inventory" waren; umgekehrt zeigten selbst chinesische Männer eine negative Korrelation zwischen "Männlichkeit" und "Rot".
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Bem Sex Role Inventory
Das Bem Sex Role Inventory (BSRI) ist ein standardisierter psychologischer Test zur Untersuchung von Geschlechterrollen, in dem durch Selbsteinschätzung typisch männliche, weibliche bzw. androgyne Eigenschaften abgefragt und gewichtet werden. Sandra Bem entwickelte ihn 1971.
->   Kurzbiographie Sandra Bem und BSRI - Webster University
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Kulturelle Prägung
Offenbar ist die Bevorzugung bestimmter Farbtöne zwar angeboren, kann aber von äußeren Faktoren beeinflusst werden. Bei den chinesischen Probanden war der geschlechtsspezifische Unterschied bei weitem nicht so stark wie bei den britischen. Die Forscherinnen vermuten dahinter eine kulturelle Prägung, die die angeborene Präferenz ergänzt: In China gilt Rot als Glücksfarbe.

[science.ORF.at, 21.8.07]
->   Anya C. Hurlbert, Institute of Neuroscience, Newcastle University
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