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Forscher: Politische Einstellung spiegelt sich im Gehirn  
  Die politische Einstellung spiegelt sich im Gehirn, zumindest wenn es nach US-amerikanischen Psychologen geht. Mittels Elektroenzephalogramm haben sie herausgefunden, dass bei eher liberal eingestellten Menschen ein Teil des Gehirns besonders aktiv ist, der für das Zurechtkommen in Konfliktsituationen verantwortlich ist.  
Bei Menschen, die von sich behaupteten, konservativ zu denken, zeigte sich das Gehirn laut Studie weniger flexibel. Was Politikwissenschaftler und Psychologen schon lange auf der Basis von Werte- und Persönlichkeitsstudien behaupten - dass Liberale sich mit Veränderungen leichter tun als Konservative - wurde nun auch von der Gehirnforschung bestätigt.
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Die Studie "Neurocognitive correlates of liberalism and conservatism" von David Amodio von der New York University und Kollegen ist am 9. September 2007 online in "Nature Neuroscience" erschienen (doi:10.1038/nn1979).
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Köpfe verkabelt und Knöpfe gedrückt
43 Versuchspersonen mussten sich zuerst anhand einer Skala als liberal bzw. konservativ einschätzen. Sobald die Köpfe zwecks Messung der Hirnaktivität verkabelt waren, mussten die Probanden immer dann auf einen Knopf drücken, wenn sie ein bestimmtes Signal sahen.

Sobald sie sich daran gewöhnt hatten, zeigten die Wissenschaftler ein zweites Signal, bei dem die Versuchspersonen aufhören sollten, auf den Knopf zu drücken.
Wechsel beschäftigte das Gehirn
Bei allen Probanden war nach dem zweiten Signal der anteriorer cinguläre Cortex, ein Teil des Vorderlappens des Gehirns, besonders aktiv - ein Zeichen dafür, dass sie mit einer ungewohnten Sache konfrontiert waren.

Bei den Versuchsteilnehmern, die sich selbst als liberal bezeichnet hatten, maßen die Wissenschaftler eine viel stärkere Aktivität in dieser Gehirnregion als bei den Konservativen. Laut Interpretation der Forscher konnte ihr Gehirn besser mit der neuen Situation umgehen als die "Denkzentren" der Konservativen.
Warnung vor Überinterpretation
Fachkollegen bezeichnen die Ergebnisse von Amodio und Kollegen im "New Scientist" als "interessant" und "provokativ", warnen aber vor Überinterpretationen.

Matt Newman von der Arizona State University nimmt die Studie mit Humor: Es gebe eben doch eine Grundlage für den Vorwurf von Konservativen gegenüber Liberalen, dass sie zuviel denken und zuwenig handeln. "Es wäre aber vermessen zu behaupten, dass es eine neurobiologische Basis gibt, die zwangsläufig bestimmte politische Meinungen bedingt."

[science.ORF.at, 10.9.07]
->   David Amodio (New York University)
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