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Bad Simple English auf dem Vormarsch  
  Wissenschaftler warnen vor einer Verarmung der
Sprachenvielfalt in Europa. Ausgerechnet im Europäischen Jahr der Sprachen 2001 breite sich "schlechtes, einfaches Englisch" aus.
 
Die 15 Länder der Europäischen Union sollten größere Anstrengungen zur Pflege ihrer Sprachen unternehmen, sagte der Leiter des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Gerhard Stickel.
Erlernen von zumindest zwei Fremdsprachen
Europaweit sei "BSE" - Bad Simple English auf dem Vormarsch. Deshalb wollen Experten aus acht Ländern der Europäischen Union in den kommenden
Wochen und Monaten konkrete Empfehlungen zur Förderung der europäischen Hochsprachen abgeben.
So werden die Wissenschaftler dazu aufrufen, dass Schüler in allen EU-Ländern mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Ein zweiter Punkt ist die Forderung nach verstärkter Bekämpfung des Analphabetismus.
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Europäisches Jahr der Sprachen 2001
Die Kritik des Mannheimer Wissenschaftlers erfolgt am Beginn des "Europäischen Jahrs der Sprachen 2001". Veranstaltet von EU und Europarat sowie unterstützt von der UNESCO und 47 OECD-Staaten, soll es die Sprachenvielfalt Europas feiern und den Sprachenerwerb fördern. Im ganzen Jahr sind eine Reihe von Aktionen geplant: europaweite Informationskampagnen und Wettbewerbe sowie Ausstellungen und Veranstaltungen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene.
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Deutsch nur noch zum Skat-Spielen?
Seine Kritik sei kein Kampf gegen Englisch als internationale Hilfssprache, meinte IDS-Leiter Stickel. Englisch setze sich jedoch in wissenschaftlichen Publikationen und in vielen international operierenden Unternehmen zunehmend als ausschließliche Fachsprache durch. Falls sich diese Entwicklung fortsetze, könne es sein, dass in
zwei oder drei Generationen Deutsch nur noch "beim Skatspielen" gesprochen werde.
"Englisch sollte nicht die einzig lernenswerte Fremdsprache sein. Es muss nicht sein, dass Deutsche und Franzosen miteinander BSE
sprechen", meinte Stickel. Ein "Sprachreinigungsgesetz" zur
Verbannung von Fremdwörtern aus dem Deutschen sei jedoch nicht notwendig.
Warnung vor Trivialkultur
"Wir bekommen eine trivialkulturelle Vereinheitlichung", warnte Stickel. Die EU sollte sich im Willen einigen, die europäische Sprachenvielfalt nicht zu verkürzen. So seien etwa die Menschenrechte zuerst auf Französisch formuliert worden. Der Philosoph Immanuel Kant solle auch in Zukunft noch auf Deutsch gelesen werden können.
In diesem Jahr noch wollen sich Sprachwissenschaftler aus allen 15 EU-Ländern in Florenz treffen, um einen Ständigen Rat der Sprachakademien zu gründen. Dieser soll die EU in der Sprachpolitik beraten und die europäische Zusammenarbeit in Sachen Sprache fördern.
->   Mannheimer Institut für Deutsche Sprache
->   Europäisches Fremdsprachenzentrum in Österreich
->   European Center for Modern Languages
->   Fremdsprachenabteilung des Europarats
->   Das Europäische Jahr der Sprachen
 
 
 
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01.01.2010