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Geplant: Bemannte Mars-Missionen, später Besiedelung  
  Ob Science Fiction oder Wissenschaft - der Mars macht mobil. Die neueste Meldung, die amerikanische Sonde "Mars Odyssey" habe Eisvorkommen auf unserem Nachbarplaneten gefunden, sorgt weltweit für Aufsehen. Zugleich ist diese Entdeckung auch Wasser auf die Mühlen jener NASA-Forscher, die den ersten Flug von Menschen zum Mars planen. Das Fernziel: die Umwandlung des Roten Planeten in einen Blauen, auf dem sich Menschen ansiedeln können.  
Möglicher Starttermin: Mai 2018
Bild: NASA
Im Mai 2018, wenn sich Erde und Mars einander wieder einmal nähern, könnte es soweit sein: dann soll ein Raumschiff zur ersten bemannten Marsmission starten.

Trotz der günstigen Stellung der Planeten würde die Flugstrecke 400 Millionen Kilometer betragen. Allein der Hinflug zum Mars dauert ein halbes Jahr. Dazu kommt ein Jahr Forschungsaufenthalt und ein weiteres halbes Jahr für den Rückflug.

Der Grund für diesen langen Zeitraum: die Entfernung zwischen Erde und Mars ist nur alle 26 Monate besonders gering - und die Mission damit überhaupt durchführbar.
->   Fakten über den Mars
Extreme Belastungen
Während des langen Aufenthalts in der Schwerelosigkeit wären die ersten "Marstronauten" extremen Belastungen ausgesetzt.

Ihr Raumschiff müsste ausreichenden Schutz vor der lebensgefährlichen kosmischen Strahlung bieten. Daher planen die beteiligten Forscher einen speziellen Schutzraum an Bord, der mit Wassertanks ummantelt ist.

Auch die psychische Belastung ist nicht zu unterschätzen - immerhin müssen die geplanten sechs Besatzungsmitglieder mehr als zwei Jahre auf engstem Raum verbringen.
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Strenge "Diät" für Mensch und Maschine
Jedes Kilogramm Masse, das ins All gehievt werden muss, kostet Unsummen. Dazu kommt: je leichter ein Raumfahrzeug ist, desto weniger Treibstoff verbraucht es. Beim Start macht allein dieser Treibstoff etwa 95 Prozent des Gesamtgewichts aus. Damit die Kosten einer Marsmission nicht in astronomische Höhen steigen, arbeiten Forscher deshalb an einer Methode, den Treibstoff für den Rückflug direkt auf dem Nachbarplaneten selbst herzustellen. Der Trick: aus dem Kohlendioxid der Mars-Atmosphäre und von der Erde mitgebrachtem Wasserstoff wird Methan erzeugt - ein brennbares Gas, das als Treibstoff dienen soll. Damit könnte sehr viel Gewicht eingespart werden.
->   Projektseite des Space Technologies Laboratory, University of Arizona
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Recycling-System für Wasser
Auch das benötigte Wasser ist mit rund 17 benötigten Tonnen ein schwer wiegendes Problem. Daher haben die NASA-Planer ein Recyclingsystem entwickelt, mit dem die Menge auf kaum mehr als zwei Tonnen reduziert werden soll.
Warum eine bemannte Marsmission?
Doch für viele liegt die Frage nahe, weshalb Menschen überhaupt zum Mars fliegen sollten. "Manche Leute meinen, der Mars sei das nächste logische Ziel der Menschheit, weil Menschen einfach den inneren Drang haben, zu entdecken, Neuland zu betreten. Das ist ein ziemlich guter Grund", meint John Connolly vom Exploration Office der NASA in Houston.

"Andere argumentieren, dass unsere Spezies erst durch neue Entdeckungen lebensfähig bleibt und gedeiht, wie sie es sollte. Gibt man das Entdecken auf, stagniert eine Gesellschaft. Das ist ein weiterer guter Grund für die Mission."
->   Zentrale "Mars Exploration"-Website der NASA
"Terraforming" des Roten Planeten
Aber damit nicht genug: Die Eingriffe, die die NASA-Visionäre im Sinn haben, klingen nach reiner Science Fiction. Sie wollen den Mars erdähnlich umgestalten - als zweite Heimat für die Menschheit.

Mit dem "Terraforming"-Projekt soll der Rote Planet in einen zweiten Blauen Planeten verwandelt werden. Dazu müssten die Forscher allerdings den eisigen Wüstenplaneten Mars zunächst erwärmen.

Dies soll durch einen künstlichen Treibhauseffekt gelingen, der laut Plan durch eineFreisetzung von FCKW in die Mars-Atmosphäre ausgelöst würde.

Die steigenden Temperaturen lassen die Eisvorkommen in der "Marserde" schmelzen, so die Idee. Flüssiges Wasser ist wiederum die wichtigste Voraussetzung für Leben auf dem Mars.
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In 50 Jahren Bäume auf dem Mars?
Der Astrobiologe Chris McKay vom Ames Research Center der NASA ist optimistisch: "Der Zeitraum von der beginnenden Erwärmung des Planeten bis zu ersten Lebensformen, ja sogar Bäumen, könnte sehr kurz sein - etwa 50 oder 100 Jahre. Das einzige Problem besteht darin, den Planeten aufzuheizen. Im Grunde ist es ganz einfach, denn es genügt schon, wenige Prozent des Sonnenlichts zurückzuhalten."
->   Astrobiologie-Seite der NASA
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"Marsmenschen" des 21. Jahrhunderts
Die Visionen der Wissenschaftler sind atemberaubend: Gegen Ende des 21. Jahrhunderts sollen Zehntausende Menschen auf dem Mars eine neue Heimat gefunden haben.

Ein Jahrtausend später sehen die Planer dann schon eine eigenständige Bevölkerung auf dem Mars, die in großen Städten lebt und sich deutlich von den "Erdlingen" unterscheidet.

Doch die Vorstellung von "Mega-Citys" auf dem Mars erscheint wohl nicht nur notorischen Skeptikern allzu optimistisch - nicht zuletzt aufgrund der unvorstellbaren Kosten.

Diese "schöne, neue Marswelt" wird - realistisch betrachtet - wohl kaum jemals Gestalt annehmen. Aber allein schon die Beschäftigung mit dieser kühnen Idee könnte nicht nur die Phantasie ihrer Väter anregen, sondern auch den technischen Fortschritt auf der Erde.

Ivo Filatsch, Modern Times
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Mehr zu diesem Thema in "Modern Times Spezial", 31.5.2002, 22.35 Uhr, ORF 2.
->   Modern Times
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->   Europäische "Mars Express"-Mission
->   Mars Society
->   Mehr über den Mars in science.ORF.at
 
 
 
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