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Aufgabe der Koedukation? Gemischter Unterricht - Pro und Contra  
  Eine "geschlechtshomogene Trennung" von zehn- bis 16-jährigen Schülern in bestimmten Fächern fordern die SP-Frauen in ihrem Entwurf zu einem Bildungsprogramm. Die gemischten Schulen sollen zwar erhalten werden, allerdings könne in Gegenständen wie Sprachen, Naturwissenschaften und Mathematik, in denen geschlechtsspezifische Talente oder Defizite auftauchen, nach Buben und Mädchen getrennt werden, so SP-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer in der Montags-Ausgabe der "Presse".  
Die ÖVP hält den Vorschlag zwar für pädagogisch begrüßenswert, aber auch "für einen weiteren Baustein zu einem explodierenden Bildungsbudget". Seitens der FPÖ kritisiert man, dass damit "althergebrachtes Klischeedenken wieder zum Leben erweckt" würde.
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Koedukation, Historisches
Im Kulturinformationssystem "AEIOU" des Bundesministeriums für Wissenschaft und Kunst heißt es zum Thema Koedukation: "Die gemeinsame Erziehung von Knaben und Mädchen ist seit 1976 Regelfall an Österreichs Schulen.

Die im 16. Jh. angeordnete Geschlechtertrennung im Unterricht wurde schon früh aus organisatorischen Gründen umgangen (im ländlichen Raum seit 1869 nicht üblich) und war nur dort bestehen geblieben, wo der Lehrplan (z. B. eigene Fächer bzw. Schularten für Mädchen) es notwendig machte. Heute sind in Österreich alle Schulbezeichnungen und Lehrpläne geschlechtsneutral formuliert."
->   AEIOU
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Gezielte Förderung
Gezielte Förderung könne nach einem Vorschlag der SPÖ für Burschen vor allem in den Sprachen ohne Mädchen in der Klasse durchgeführt werden, bei den Mädchen böten sich naturwissenschaftliche Fächer und Mathematik an, so Stadlbauer. Als Argument für einen getrennten Unterricht nannte sie auch ausdrücklich die Schaffung von Arbeitsplätzen für Lehrer.
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Koedukations-Studien: "Rollenstereotypen"
Verschiedene Studien in Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigen, dass Mädchen, die einen monoedukativen Unterricht genossen haben, bessere Leistungen in den Naturwissenschaften erbringen und auch viel häufiger ein entsprechendes Studium wählen.

Als Grundtenor der Untersuchungen kristallisiert sich das Argument heraus, demzufolge die uneingeschränkte Koedukation Rollenstereotypen festige. In der Klasse seien Mädchen eher für das "Soziale", Buben hingegen für das "Intellektuelle" zuständig. So entwickeln Mädchen oft rollenspezifische Interessen, die eher in Richtung sozialer Kompetenz abzielen und weniger in Richtung (Natur-)Wissenschaften.

Mädchen in koedukativen Klassen interessieren sich nur selten für Naturwissenschaften. Demgegenüber zeigen Studien an reinen Mädchenschulen, dass die Schülerinnen weniger rollenspezifische Interessen zeigen und sozial höherstehende Berufe erreichen.

Der Artikel "Geschlechtssensible Schulentwicklung als Herausforderung" beschreibt vier konkrete Schulprojekte in Wien, die dem geschlechtsspezifischen Unterricht gewidmet waren.
->   Zum Artikel (pdf-File)
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ÖVP: "Kostenexplosion"
ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon warf der SPÖ in einer Aussendung vor, keine einheitliche Linie in der Bildungspolitik zu verfolgen. Der SPÖ-Entwurf sei ein weiterer "kostentreibender" bildungspolitischer Vorschlag.

Pädagogisch sei der Ansatz zwar begrüßenswert, er bilde aber einen "weiteren Baustein zu einem explodierenden Bildungsbudget". Schon derzeit könnten Schulen durch die Eröffnung getrennter Klassen das von den SP-Frauen befürwortete Konzept in die Praxis umsetzen, betonte der ÖVP-Bildungssprecher.
FPÖ: "Klischeedenken"
Gegen eine Trennung von Burschen und Mädchen in bestimmten Unterrichtsfächern spricht sich der freiheitliche Bildungssprecher Rüdiger Schender aus. Mit dieser zuletzt vom Liberalen Forum erhobenen Forderung werde ein "althergebrachtes Klischeedenken wieder zum Leben erweckt", hieß es am Montag in einer Aussendung.

Im Schulunterricht müsse es vorrangig darum gehen, die Kinder und Jugendlichen nach ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern und nicht nach geschlechtsspezifischen Merkmalen, betonte Schender. Mädchen wie Burschen müssten dieselben Chancen für die Ausübung eines Berufes eingeräumt werden. Würde die Koedukation fallen, wären die Grundbedingungen dafür nicht mehr gegeben, meinte der FP-Bildungssprecher.
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