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Maya-Untergang: Resultat eines tödlichen Zweikampfs  
  Seit über 150 Jahren wird an der Entzifferung von Hieroglyphen gearbeitet, um zu klären, warum die klassische Maya-Kultur (300-900 n. Chr.) zusammengebrochen ist. Waren es Hungersnöte, Umweltzerstörung oder Kriege, die ihren Untergang besiegelten, lange bevor die Spanier Mexiko und Mittelamerika entdeckten? Nun gefundene Hieroglyphentexte, einige der längsten ihrer Art, stützen die These, dass es sich um das Resultat eines tödlichen Kampfs zweier Maya-Supermächte gehandelt hat.  
Kampf zwischen Tikal und Calakmul
Bild: National Geographic
Amerikanische Archäologen haben in einer alten Ruinenstätte im Norden Guatemalas Inschriften entschlüsselt, die Auskunft über die Machtkämpfe zwischen den Maya-Stadtstaaten Tikal und Calakmul im siebenten Jahrhundert geben.

Wie die Zeitschrift "National Geographic" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, wurden die Schriftzeichen an der "Dos Pilas" genannten Maya-Stätte mitten im Wald bei einem Sturm im Sommer 2001 freigelegt.

Es handelt sich um den längsten bekannten Zeichennachlass der Maya, wie Wissenschaftler der Vanderbilt Universität in Tennessee und der National Geographic Society in Washington in der Zeitschrift erklären.
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Der Original-Artikel ist unter dem Titel "Maya Hieroglyphs Recount 'Giant War'" in der aktuellen Online-Ausgabe von National Geographic erschienen.
->   Der Artikel
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Dos Pilas-Herrscher Balaj Chan K'awiil
Bild: National Geographic
Die entdeckten Hieroglyphen-Texte
Die Hieroglyphen-Texte berichten von den Taten des Maya-Fürsten Balaj Chan K'awiil, eines 625 geborenen Herrschers von Dos Pilas.

Er war in Kämpfe zwischen der Mayametropole Tikal, 110 Kilometer nordöstlich von Dos Pilas, und der im heutigen mexikanischen Staat Campeche gelegenen Stadt Calakmul verwickelt und verbündete sich einmal mit dem einen, dann wieder mit dem anderen Machtzentrum.
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Tikal
Mehrere Hunderte Fundstätten der versunkenen Mayakultur wurden bisher in Südmexiko, Guatemala und Honduras entdeckt, Tikal gilt von allen als die größte und prächtigste. Im heutigen Nationalpark, mitten im Urwald, hatten die Maya dort in der Zeit zwischen 250 und 900 n. Chr. eine Stadt errichtet, die zu ihren Glanzzeiten bis zu 100.000 Einwohner gezählt hat. Insgesamt acht große Pyramiden gehören heute zu den Wahrzeichen von Tikal.

Neben dem 70 Meter hohen, zum Teil noch von Urwald überwucherten Tempel IV faszinieren vor allem der gegen Ende des siebenten Jahrhunderts entstandenen Tempel des Jaguars und der Tempel der Masken. Zwischen diesen beiden Pyramiden erstreckt sich eine weitläufige Anlage, die von den Forschern nach griechischem Vorbild "Akropolis" genannt wurde. Auf den Tempeln vollzogen einst die Maya-Priester ihre Opferriten und beobachteten die Gestirne.
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Jahrhunderte-Kampf entschied Tikal für sich
Der Text legt nahe, dass Dos Pilas eine wichtigere Rolle in dem Kampf der Supermächte Tikal und Calakmul eingenommen hatte als bisher angenommen. Über ein Jahrhundert lang dürfte dieser Kampf gedauert haben, ehe ihn Tikal im Jahr 695 für sich entscheiden konnte.
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Calakmul
Erst vor wenigen Jahren begannen in Calakmul, an der Grenze von Mexiko zu Guatemala, die Ausgrabungen zu einer der größten Maya-Pyramiden. Zu Hochzeiten lebten nach Schätzungen von Archäologen rund 60.000 Menschen in Calakmul, das zusammen mit seiner Schwesterstadt El Mirador - nur knapp 40 Kilometer entfernt - rund 1.000 Jahre blühte. Als die Spanier kamen, lebten in der Region nur noch rund 600 Mayas.
->   Mehr über Calakmul
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Texte untermauern "Rivalitätsthese"
Die Texte untermauern dem Bericht zufolge die schon früher vertretene These, dass die Rivalität zwischen Tikal und Calakmul die klassische Mayawelt in ihren Grundfesten erschütterte.

Nach dem Sieg von Tikal könnte die Maya-Welt in viele kleine Regionalmächte zerfallen sein, so eine These. Aus welchen Gründen auch immer - alle großen Städte wurden bis etwa 800 aufgegeben.
Riesiges Siedlungsgebiet
Das Siedlungsgebiet der Maya erstreckte sich von der mexikanischen Halbinsel Yucatan und Südmexiko über Belize, Guatemala und Honduras bis nach El Salvador. Monumentale Paläste und Anlagen wurden in Chichen-Itza, Uxmal und Tulum in Yucatan, in Palenque und Bonampak im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas, in Tikal und Copan/Guatemala entdeckt.
Frühe Hochkultur
Längst sind nicht alle Ruinen freigelegt. Die Maya waren nicht nur perfekte Baumeister, sondern auch herausragende Astronomen und Mathematiker. Sie entwickelten einen exakten Kalender, führten die Zahl Null noch vor den Europäern ein und erfanden eine komplizierte Schrift, die sich aus Bildern und Silben zusammensetzt - und noch immer nicht hundertprozentig entziffert ist.
->   Vanderbilt University
Weitere Thesen zum Untergang der Maya-Kultur in science.ORF.at:
->   Erdbeben ...
->   ... und Sonne
 
 
 
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