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E-Learning - Hype oder Evolution des Lernens?  
  In Unternehmen wie an den Hochschulen wird mit E-Learning die Hoffnung verbunden, Wissen zielgerichteter und kostengünstiger zu vermitteln. Waren es vor fünf Jahren nur wenige Pioniere, die sich damit auseinandersetzten, so zeigt nun die Anzahl von neuen Fachtagungen und Kongressen, dass E-Learning zur Zeit eine ähnliche Hochphase durchläuft wie E-Commerce in den letzten Jahren. An der WU-Wien wurde ein neues E-Learning-System präsentiert, mit dem die gesamte Studieneingangsphase online gestellt wird. Gustaf Neumann und Bernd Simon von der Abteilung Wirtschaftsinformatik der WU stellen diese Innovation in einem Gastbeitrag für science.ORF.at vor.  
E-Learning muss nicht immer Fernstudium heißen
Von Gustav Neumann und Bernd Simon, WU

Oft wird E-Learning mit Fernlehre unter Einsatz von Informationstechnologie (IT) gleichgesetzt. Diese Definition gilt es jedoch zu hinterfragen. Die Wissensvermittlung begann vor zirka 8000 Jahren mit Priestern als Bewahrer und Vermittler des Wissens. Diese Priester prägten das Schulparadigma, in dem Lernende durch einen Lehrer, Trainer oder Tutor betreut werden.

Diese Form von Lernen ist orts- und zeitgebunden und basiert auf direkter Interaktion zwischen Lehrer und Schüler. Später führte das Aufkommen der Schrift zur Entstehung des Fernlehreparadigmas. Dabei kommen didaktisch aufbereitete Materialien zum Einsatz, die das orts- und zeitungebundene Lernen ermöglichen. Allerdings entfällt hier die direkte Interaktionsmöglichkeit.
Möglichkeiten der "Wissensübertragung"
Zwar bieten die heute verfügbaren Medien den Lehrenden eine wesentlich größere Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten für die Wissenskonservierung und -übertragung, jedoch hat sich an diesen elementaren Eigenschaften der Wissensvermittlung wenig geändert.

Sowohl die innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung als auch die Hochschullehre wenden traditionell beide Paradigmen an und kombinieren den Präsenzunterricht mit (Fernlehre-)Materialien.
Aufhebung des ortsgebundenen Unterrichtes
Durch die hohe Verfügbarkeit von Kommunikationsinfrastrukturen (wie beispielsweise das Internet) wurde erreicht, dass die Ortsgebundenheit für den interaktiven Unterricht aufgehoben wurde und eine neue Variante des Schulparadigmas mithilfe von Videokonferenzen und Chatsystemen geschaffen wurde.

In den heutigen Fernstudienprogrammen werden diese Möglichkeiten häufig genutzt. Allerdings bietet E-Learning weit mehr Möglichkeiten, wenn es zur Unterstützung weiterer Bereiche der Lehr- und Lernprozesse eingesetzt wird.
E-Learning zur Unterstützung der Lehr- und Lernprozesse
 


Der Prozess der organisierten Wissensvermittlung gliedert sich in mehrere Teilprozesse (siehe Abbildung 1), die mittels Informationstechnik unterstützt und integriert werden sollen. In der Folge gehen wir auf die einzelnen Teilprozesse näher ein und stellen entsprechende Forschungs- und Entwicklungsprojekte des New Media Labs der Abteilung für Wirtschaftsinformatik vor.
E-Learning für Studienanfänger
Im Rahmen des LEARN@WU-Projekts (Leitung Prof. Schneider und Prof. Neumann) werden zurzeit 34 Inhaltsentwickler beschäftigt, die mit speziell entwickelten Autorenwerkzeugen Bildungsinhalte für die Unterstützung der gesamten Studieneingangsphase des restrukturierten WU-Studienangebots entwickeln.
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Das LEARN@WU-Projekt
Diese Autorenwerkzeuge gestatten die Erstellung von interaktiven Lehrmaterialen mittels Microsoft Word oder XML. Es werden hierbei unterschiedliche Typen von Lehrressourcen unterstützt, die von Multiple-Choice-Fragen über Lückentexte bis zu Fachlexika reichen. Die erstellten Inhalte werden in einem fachbereichsübergreifenden Wissensraum integriert, über den Lehrenden automatisiert verwandte Lehrressourcen angeboten werden. Bis jetzt wurden auf diese Art und Weise etwa 10.000 Lehrressourcen in unterschiedlichen Fachdisziplinen wie Marketing, Wirtschaftsinformatik, Rechtswissenschaften, Sprachen etc. entwickelt. Diese Lehrressourcen sind in ein kollaboratives Lehr- und Lernmanagementsystem eingebettet, das in Kooperation mit dem MIT entwickelt wurde. Das LEARN@WU-System ist mit 23. September online gegangen.
->   LEARN@WU-Projekt
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Unterstützung des elektronischen Vertriebs von Bildungsinhalten
Zur Reduktion der Kosten bei der Inhaltsentwicklung entsteht ein erhöhter Bedarf an Marktplätzen für Bildungsinhalte, über die Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten, sowie Inhalte akquirieren und bereitstellen können.

Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts Universal wurde eine B2B-Brokerage-Plattform für den Vertrieb von Bildungsinhalten entwickelt. Diese Austauschbörse wurde im Rahmen des Ten-A-Projekts mit EducaNext in Betrieb genommen. Seit 1. Mai 2002 wurden Bildungsinhalte von etwa 600 Hochschullehrern ausgetauscht.
->   EducaNext
Intelligente Lernräume schaffen
Kompetenzmanagementsysteme ermöglichen es, Lernenden die passenden Bildungsinhalte anzubieten und Kompetenzlücken zu schließen. Mit 1. September startete das EU-Forschungsprojekt ELENA, in dem Kompetenzmanagementsysteme mit Inhaltsbereitstellungssystemen (unterschiedliche Lernmanagementsysteme, Videokonferenzsysteme, etc.) in intelligenten Lernräumen mittels Web-Services verknüpft werden sollen. Basierend auf Wissensprofilen soll die bedarfsadäquate Zusammenstellung von Bildungsangeboten erleichtert werden.
->   Das EU-Projekt ELENA
E-Learning ist auch ein Themenschwerpunkt bei der WU-Jahrestagung von 5. bis 7. November 2002.
->   Informationen und Anmeldung
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Gastbeitrag
Prof. Dr. Gustaf Neumann ist Leiter der Abteilung für Wirtschaftsinformatik an der WU, technischer Koordinator von LEARN@WU und wissenschaftlicher Leiter von Universal und Elena. E-Mail: gustaf.neumann@wu-wien.ac.at, Tel. Nr.: 01 31336 4671

Dr. Bernd Simon ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am New Media Lab der Abteilung für Wirtschaftsinformatik. Er koordiniert die Entwicklung der Universal Brokerage Plattform und ist technischer Projektleiter des Elena-Projekts. E-Mail: bernd.simon@wu-wien.ac.at, Tel. Nr.: 01 31336 4328
->   Abteilung für Wirtschaftsinformatik:
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->   Wirtschaftsuniversität Wien
->   Presseseite der WU
 
 
 
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