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Astronomen entdecken neuen Galaxien-Typ  
  Ein internationales Astronomenteam hat einen neuen Galaxientyp entdeckt. Die kompakten kleinen Galaxien könnten die Diskrepanz zwischen Beobachtungen und kosmologischen Modellen erklären.  
Die Ergebnisse des Forscherteams unter der Leitung von Michael Drinkwater (Queensland, Australien), Michael Gregg (Livermore, USA) und Michael Hilker von der Universität Bonn wurden in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" veröffentlicht.
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"A class of compact dwarf galaxies"
Der Artikel "A class of compact dwarf galaxies from disruptive processes in galaxy clusters" ist erschienen in "Nature", Bd. 423, Seiten 519-521, vom 29. Mai 2003 (doi:10.1038/nature01666).
->   Der Originalartikel in "Nature" (kostenpflichtig)
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Unterschiedliche Galaxien im Universum
Die Galaxien in unserem Universum sind nicht alle gleich: Da gibt es Spiralen, die unserer Milchstraße ähneln, große elliptische und kleine leuchtschwache Galaxien. Schon immer haben sich die Astronomen allerdings gefragt, ob bei den bisherigen Beobachtungen nicht vielleicht Galaxientypen übersehen wurden.
Ultrakompakt und leuchtkräftig
Mit Hilfe einer groß angelegten spektroskopischen Durchmusterung aller Objekte in dem relativ nahe gelegenen Fornax-Galaxienhaufen konnte das Astronomenteam nun in der Tat einem neuen Typ auf die Spur kommen, wie die Universität Bonn in einer Aussendung mitteilte:

Den so genannten ultrakompakten Galaxien, die in den Zentren von Galaxienhaufen liegen. Ihr Aussehen ähnelt dem galaktischer Kugelsternhaufen, sie sind aber um ein Vielfaches größer und leuchtkräftiger.
Bislang für Sterne der Milchstraße gehalten
Aufgrund ihrer sehr geringen Ausdehnung am Himmel hatte man die ultrakompakten Galaxien bislang für Sterne der Milchstraße gehalten. Ihre Radialgeschwindigkeit - ein grobes Maß für die Entfernung - verriet den Astronomen aber, dass sich die Himmelsobjekte nicht in unserer Milchstraße befinden konnten.
Nachweis dank Hubbles "scharfem Auge"
 
Bilder: Michael Hilker / Uni Bonn

Das Bild links zeigt im Hintergrund den Fornax-Galaxienhaufen, der von großen elliptischen Galaxien dominiert wird. Die eingesetzte Vergrößerung veranschaulicht eine der neuentdeckten ultrakompakten Galaxien.

Die Abbildung rechts zeigt das Zentrum des Fornax-Galaxienhaufens. Rechts oben sind die beiden zentralen Riesen-Elliptischen Galaxien des Haufens zu erkennen. Oben links sind vergrößert eine der neuentdeckten ultra-kompakten Galaxien (oben) und eine Zwergelliptische Galaxie mit Kern (unten) dargestellt. Die Position von einer der entdeckten Galaxien und einer Zwergellipse sind mit Quadraten markiert.


Um die Eigenschaften des neuen Galaxientyps zu studieren, bedienten sich die Astronomen der zur Zeit modernsten Telskope. Das "scharfe Auge" des Hubble Space Telescope konnte die ultrakompakten Galaxien räumlich auflösen, so dass die Wissenschaftler ihre Ausdehnung feststellen konnten.
Schnelligkeit der Sterne mittels ESO-Teleskopen
Mit den großen 8-Meter-Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO) auf dem Observatorium "El Paranal" in Chile konnte Michael Hilker zudem spektroskopisch feststellen, wie schnell sich die Sterne in den Galaxien bewegen.

Beide Messungen zusammen erlaubten es den Forschern, die Galaxien zu "wiegen". Mit verblüffendem Ergebnis: Ausdehnung, Leuchtkraft und Masse entsprechen in dieser Kombination keinem bisher bekanntem Galaxientyp.
Die Lösung für ein altes Problem?
Die Entdeckung könnte eine Frage beantworten, die Astronomen schon lange schwer im Magen liegt: Nach gängiger Lehrmeinung sind die ursprünglichen Bausteine des Universums kleine und massearme Zwerggalaxien, von denen auch heute noch viele existieren müssten.

Bislang fand man allerdings stets viel weniger Zwerggalaxien, als die kosmologischen Modelle vorhersagten. Die Forscher glauben nun, dass die ultrakompakten Galaxien aus Zwerggalaxien entstanden sein könnten, die ihre äußeren Sterne verloren haben.

Computersimulationen von Kenji Bekki (Sydney, Australien) belegen auch, dass dies möglich ist. Der neue Galaxietyp ist somit ein wichtiges Bindeglied, das die Diskrepanz zwischen Beobachtungen und kosmologischen Modellen erklären könnte.
->   Sternwarte der Universität Bonn
->   Hubble Space Telescope
->   Europäische Südsternwarte (ESO)
 
 
 
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