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Archäologie: Strontium-Gehalt verrät Knochen-Herkunft  
  Licht in das Dunkel uralter Gräberfelder oder sonstiger Knochenfunde bringt eine neue Untersuchungsmethode, die am Institut für Chemie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien ausgearbeitet wurde. Dabei wird der Gehalt verschiedener Strontium-Isotope in den Funden analysiert, das Material kann so einem bestimmten Landstrich zugeordnet werden.  
Die Ausarbeitung und Verfeinerung der Methode wurde vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.
Genauere Unterscheidungsmöglichkeit
Graben Archäologen etwa die Überreste einer Schlacht aus, so ist es speziell bei sehr alten Funden und Knochen schwierig, etwa Freund und Feind zu unterscheiden. Bisher musste sich die Archäologie etwa auf die Befunde von Anthropologen verlassen, die anhand Körpermessungen klären sollten, ob sich hier beispielsweise zwei verschiedene Völker die Schädel einschlugen.

Die Methode der Boku-Chemiker verspricht wesentlich höhere Genauigkeit. Sie machen sich den Umstand zu Nutze, dass in menschliche und auch tierische Knochen Strontium (Sr) eingebaut wird.
Strontium: Unterschiedliche Isotope ...
Strontium ist ein natürliches Element, das in mehreren Isotopen vorkommt. Unterschiedliche Isotope eines Elements haben eine unterschiedliche Zahl von Neutronen im Atomkern. Sie sind zwar chemisch völlig ident, besitzen aber ein geringfügig anderes Gewicht.
... die sich (in Knochen) regional unterscheiden
Bild: Maria Teschler-Nicola
Für die Charakterisierung von Knochenmaterial
sind die Isotope 87 Sr und 86 Sr von Bedeutung.
Nun ist das Isotopenverhältnis von Strontium von Landstrich zu Landstrich verschieden, entscheidend sind etwa die geologischen Verhältnisse. Auch in den Knochen der ansässigen Menschen spiegelt sich dieses typische Verhältnis wider.

So können die Chemiker anhand der Strontium-Analysen mittels so genanntem Plasma-Massenspektrometer etwa genau sagen, ob sich in einem Gräberfeld nur Mitglieder eines Volkes finden, oder ob sich verschiedene Völker mischten.

"Damit haben dann die Archäologen ein weiteres Stück des Puzzles in der Hand", sagte Thomas Prohaska vom Institut für Chemie im Gespräch mit der APA.
Datenbank für weltweite Herkunft
Die Boku-Forscher können aber noch einen Schritt weiter gehen. In einer Datenbank werden die Sr-Isotopenverhältnisse verschiedener Landstriche gesammelt. So wird auch eine absolute Bestimmung möglich, das heißt mit einem einzelnen Befund kann gesagt werden, wo ein Mensch gelebt hat, bevor er starb.
Zahn-Analyse für Wanderungsbewegungen
Durch die zusätzliche Analyse der Zähne wird sogar möglich, Wanderungsbewegungen eines einzelnen Menschen nachzuvollziehen. Anders als in den Knochen wird das Sr im Zahnschmelz nämlich nach dem vierten Lebensjahr nicht mehr ausgetauscht.

Ein Mensch, der in den Zähnen ein anderes Verhältnis an Sr-Isotopen als in seinen Knochen aufweist, muss daher nach seinem vierten Lebensjahr eine Wanderbewegung durchgemacht haben.
Erste praktische Bewährungsprobe ...
Die Strontium-Methode der Chemiker hat mittlerweile auch ihre praktische Bewährungsprobe bestanden. In Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Wien (NMW) wurden Knochen einer Grabungsstätte in Asparn (Niederösterreich) untersucht.

Hier wurden mehr als 100 menschliche Skelette auf engstem Raum in einem Dorf aus der Neusteinzeit gefunden. Das Archäologenteam wollte wissen, was dort vor 7.000 Jahren vorgefallen ist.
... in Asparn bestanden
Die Sr-Untersuchung ergab, dass es sich bei den Skeletten ausschließlich um besiegte Siedler handelt, die von einer Invasorenarmee überwältig worden war. Dass von den Invasoren keine Knochen gefunden wurden, führen die Forscher darauf zurück, dass die siegreiche Armee offenbar ihre Toten mitnahm und nicht auf dem Schlachtfeld liegen ließ.
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01.01.2010