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TV im Kinderzimmer verschlechtert Schulleistungen  
  Kinder mit einem Fernsehgerät in ihrem Zimmer haben durchschnittlich schlechtere Noten als Gleichaltrige ohne eigenen TV-Anschluss. Dagegen wirkte sich ein eigener Computer laut einer Studie überaus positiv auf die Leistungen in der Schule aus. Die mit Abstand besten Testergebnisse erzielten Kinder mit Computer, aber ohne Fernseher in ihrem Zimmer.  
Dass Fernsehen im Klein-Kindesalter nicht nur die Schulleistungen negativ beeinflusst, sondern auch die kognitive Entwicklung, zeigt eine weitere Studie, die soeben in einem Fachjournal erschienen ist.
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Die Studie "The Remote, the Mouse, and the No. 2 Pencil" von Dina L.G. Borzekowski und Thomas N. Robinson erschien im Journal "Archives of Pediatric and Adolescent Medicine" (Bd. 159, Seite 607, Ausgabe vom 4.7.2005).
->   Archives of Pediatric and Adolescent Medicine
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Siebzig Prozent haben eigenen TV-Apparat
Ein Team um Dina Borzekowski von der Johns Hopkins Universität in Baltimore fand die nachteiligen Auswirkungen des Fernsehens in allen Lernkategorien: Mathematik, Lesen und Unterricht in der Muttersprache Englisch.

Selbst wenn der Bildungsstand der Eltern und das Geschlecht der Kinder berücksichtigt wurden, lagen die Ergebnisse der 350 untersuchten Drittklässler mit eigenem Fernseher deutlich niedriger. Über 70 Prozent der im Durchschnitt achteinhalb Jahre alten Kinder gaben an, einen eigenen TV-Apparat zu besitzen.
Negativ für Mathematik, Grammatik und Sprache
In landesweit standardisierten Tests, denen alle Schüler in den USA einmal im Jahr unterzogen werden, rangierten Kinder mit TV im Zimmer in Mathematik, Grammatik und Sprachgebrauch acht Punkte unter dem Durchschnitt und im Lesen sieben Punkte darunter.

Ein eigener Computer erhöhte die Testwerte bei den Drittklässlern um sechs Punkte über den Durchschnitt in Mathe und Englisch und um vier Punkte im Lesen.
Computer ja, TV nein!
Schüler, die einen eigenen Fernseher besitzen, aber keine Möglichkeit haben, zu Hause auf einen Computer zuzugreifen, schnitten bei den Leistungstests am schlechtesten ab. Umgekehrt erzielten die Kinder ohne TV im Zimmer, aber mit einem Computer im Haushalt die besten Bewertungen.

"Erzieher und Eltern suchen nach Wegen, um die Testergebnisse der Kinder zu verbessern. Diese Studie deutet darauf hin, dass etwas so Logisches und Einfaches, wie den Fernsehapparat aus den Kinderzimmern zu entfernen, eine Lösungsmöglichkeit wäre", sagt der Co-Autor der Studie, Thomas N. Robinson.
Fernsehen stiehlt Schlaf
Eine Erklärung für das Ergebnis haben die Autoren nicht. Aus früheren Studien ist jedoch ersichtlich, dass Kinder mit eigenem Fernseher weniger Schlaf bekommen als andere.

Der positive Effekt von Computern könnte ihrer Meinung nach unter anderem auch von Computerspielen kommen, die Wissen hinterfragen und die Reaktionsfähigkeit fördern.
TV erst ab 3. Lebensjahr zu empfehlen
Fernsehen bei Kindern unter drei Jahren soll nachteilige Effekte auf deren spätere kognitive Entwicklung haben, so die Ergebnisse einer zweiten in dem Journal veröffentlichten Studie.

59 Prozent der amerikanischen Kleinkinder unter zwei Jahren sehen ihr zufolge regelmäßig 1,3 Stunden pro Tag fern. Das führt zu geringeren Wahrnehmungsfähigkeiten, wenn die Kinder das Volksschulalter erreicht haben.

Im Gegensatz dazu scheint TV im Alter zwischen drei und fünf Jahren keinen Schaden anzurichten. In dieser Altersgruppe führt Fernsehen zu verbesserter Leseleistung und steigert das Kurzzeitgedächtnis.
Vielseher machen seltener College-Abschluss
Wer in Kindheit und Jugend viel fernsieht, weist im Erwachsenenalter ein niedrigeres Bildungsniveau auf, so die Ergebnisse einer dritten Studie.

In der Langzeitstudie der Universität von Otago, Neuseeland, wurden die kindlichen Fernsehgewohnheiten von beinahe 1.000 Testpersonen untersucht und mit ihrer Ausbildung im Alter von 26 Jahren in Bezug gesetzt.
Schulabbrecher: Ist Fernsehen Schuld?
Unter denjenigen, die im frühen Teenager-Alter den Großteil der Freizeit vor dem Fernseher verbrachten, fanden sich weitaus häufiger Schulabbrecher, als in der Vergleichsgruppe.

Kinder, die zwischen ihrem fünften und elften Lebensjahr seltener in das TV-Gerät blicken, sollen laut der Studie weitaus häufiger ein Hochschulstudium abschließen.

[science.ORF.at/APA/dpa, 5.7.05]
->   School of Public Health, Johns Hopkins University
Mehr dazu in science.ORF.at:
->   US-Studie: Fernsehen macht Kleinkinder unruhig (05.04.04)
->   Schon Babys werden durch TV beeinflusst (20.1.03)
->   Tägliches Fernsehen fördert Hang zur Gewalt (28.3.02)
 
 
 
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01.01.2010