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Mädchen sind wettbewerbsscheuer als Buben  
  Mädchen sind laut einer Innsbrucker Studie in einem hohen Maß wettbewerbsscheuer als Buben, trotz gleicher Leistung. Das könnte ein Grund sein, warum Frauen in Hierarchien schwerer nach oben kommen.  
Zudem könnte es auch die immer noch vorhandenen Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern begründen, meinte Studienleiter Matthias Sutter.

Der experimentelle Wirtschaftsforscher Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft an der Uni Innsbruck sieht darin auch ein volkswirtschaftliches Problem. Immerhin wolle man die Besten haben. Wenn sich Mädchen, die gut sind, weniger oft bewerben, sei das letztendlich ineffizient.
Buben stellen sich der Konkurrenz
Der Wissenschafter untersuchte das Verhalten von Kindern im Alter von drei bis 18 Jahren. Sie wurden in zwei Gruppen geteilt. Die Jüngeren in einem Alter von von drei bis acht Jahren mussten über eine Distanz von 25 Meter laufen, die Gruppe der Neun- bis 18-Jährigen sollte einfache Additionen lösen. Dabei hatten beide die Wahl entweder gegeneinander anzutreten oder einzeln.

Obwohl beide Geschlechter die Aufgaben im Schnitt exakt gleich gut meisterten, stellte Sutter dramatische Unterschiede über alle Altersstufen hinweg fest. Während sich beim Lösen der Additionen im Mittel nur 20 Prozent der Mädchen dafür entschieden sich direkt mit anderen zu messen, waren es bei den Burschen rund 45 Prozent. Auch die Tatsache, dass sich diejenigen, die sich der Konkurrenzsituation stellten, höher belohnt wurden, war offenbar kein Ansporn für die Teilnehmerinnen.
Ungleichheit nicht angeboren
Ein ähnliches Bild ergab die Studie bei der Gruppe der Drei- bis Achtjährigen mit einer wichtigen Ausnahme. Im Alter von drei bis vier Jahren gab es bei der Wettbewerbsfreude zwischen Mädchen und Buben keinerlei Unterschiede.

Ein möglicher Erklärungsansatz sei laut Sutter, dass mit dem Eintritt in den Kindergarten ein bestimmtes Rollenverständnis geprägt werde. Belegt sei damit jedenfalls, dass es solche Ungleichheiten nicht von Geburt an gebe. Einflüsse der Erziehung seien hingegen nahe liegend.

[science.ORF.at/APA, 31.8.09]
->   Matthias Sutter
 
 
 
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