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Biologe John Maynard Smith gestorben  
  Einer der größten Biologen des 20. Jahrhunderts, der Brite John Maynard Smith, ist am 19. April im Alter von 84 Jahren verstorben. Maynard Smith revolutionierte die Verhaltensbiologie, indem er die mathematischen Methoden der Spieltheorie auf deren Probleme anwendete. Als einer der führenden Theoretiker seiner Zunft leistete er wertvolle Beiträge zur Evolutionsbiologie. Er verstand es zudem meisterhaft, die komplexen Probleme der Forschung auch einem breiten Publikum verständlich zu machen. Seine zahlreichen Bücher geben Zeugnis von dieser Begabung.  
Die letzten 40 Jahre seiner Karriere verbrachte Maynard Smith an der University of Sussex.

Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem prestigeträchtigen Crafoord-Preis (an Forscher aus Disziplinen vergeben, die vom Nobelkomitee nicht berücksichtigt werden) und dem Kyoto-Preis für sein Lebenswerk.
Vom Ingenieur zum Biologen
Bild: University of Sussex
Am Beginn seiner Karriere absolvierte John Maynard Smith eine Ausbildung zum Flugzeugkonstrukteur. Die Sichtweise des Ingenieurs, der Funktionskreise mit der Sprache der angewandten Mathematik beschreibt, prägte offensichtlich auch seine Arbeit als Biologe.

Einer seiner wichtigsten Beiträge zur Biologie war der Import spieltheoretischer Überlegungen in die Verhaltens- und Soziobiologie, der es ermöglichte, die evolutionäre Dynamik verschiedener Verhaltensweisen zu bestimmen.

Maynard Smith führte hierbei den Begriff der "evolutionär stabilen Strategie" (kurz: ESS) ein, der solche Verhaltensweisen kennzeichnet, die im Zuge der Evolution nicht durch alternative Strategien verdrängt werden können und somit in einer Population über die Zeit erhalten bleiben.
->   Evolutionarily stable strategy bei Wikipedia
Entstehung der Sexualität
Ein weiteres zentrales Thema seiner wissenschaftlichen Arbeit war die Frage, wie bzw. warum sich Sexualität im Tier- und Pflanzenreich entwickelt hat. In dem 1978 erschienenen Buch "The Evolution of Sex" stellte er die wichtigsten Theorien zu diesem "Rätsel" der Evolutionsbiologie zusammen.
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Bücher von John Maynard Smith
Berühmt wurde Maynard Smith auch dank seiner zahlreichen Buchpublikationen, die sich zum Teil an Fachleute, zum Teil aber auch an das breite Publikum wandten. Auswahl: "Evolution and the Theory of Games" (1983), "Evolutionary Genetics" (1989; deutsch: "Evolutionsgenetik", 1992), "The Major Transitions in Evolution" (1995; gemeinsam mit E. Szathmary; deutsch: "Evolution - Prozesse, Mechanismen, Modelle", 1996).
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Forscher und Lehrer
Trotz seiner engagierten Forschungsarbeit - vor allem auf dem Gebiet der theoretischen Biologie - zeichnete sich Maynard Smith zeitlebens auch durch Umgänglichkeit und didaktisches Geschick aus, wodurch er zu einem wichtigen Lehrer für eine ganze Forschergeneration wurde.

"Egal ob man ein emeritierter Professor oder ein Studienanfänger war, man wurde von ihm immer gleich behandelt", meinte sein Fachkollege David Harper von der Universität Sussex gegenüber der Onlineausgabe der Zeitschrift "Science": "Wenn man eine interessante Idee hatte, dann arbeitete er hart, um einem jene Hilfe geben zu können, die ihm möglich war."

Robert Czepel, science.ORF.at
->   Website von John Maynard Smith (Univ. Sussex)
->   Interview with John Maynard Smith (New Scientist)
->   A Conversation with John Maynard Smith (Natural History)
->   Mehr zum Stichwort Spieltheorie im science.ORF.at-Archiv
 
 
 
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01.01.2010