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Aventis-Preise für die besten Medizin-Arbeiten  
  Zwei Wiener Forschergruppen erhielten am Freitag die Auszeichnungen der Aventis-Stiftung, mit welcher der Konzern an den Medizin-Universitäten Österreichs jährlich die jeweils besten wissenschaftlichen Arbeiten des vorangegangenen Jahres "belohnt".  
Mit dem Hauptpreis wurde Thomas Fellner für eine Arbeit geehrt, die er gemeinsam mit den Co-Autoren Daniel Lackner, Hans Hombauer und anderen in der Forschungsgruppe von Egon Ogris am Institut für Medizinische Biochemie am Vienna Biocenter durchführte. Fellner ist mittlerweile an der Stanford University (Kalifornien) tätig.
Für Entdeckung von molekularem "Schalter"
Dabei entdeckten sie einen molekularen "Schalter", der einen Regulationsmechanismus für das Überleben von Zellen darstellt. Es handelt sich dabei um das Protein Phosphatase-2A (PP2A), das zum Beispiel von Tumor-Viren angegriffen wird.
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Entwicklungsgeschichte: Inaktives Enzym - lebensunfähige Zelle
Dass es sich bei der PP2A-Phosphatase um einen besonders wichtigen Faktor handelt, lässt sich auch entwicklungsgeschichtlich belegen. Das Enzym ist in allen Organismen - von der Hefe bis zum Menschen - vorhanden. Hefezellen, bei denen man dieses Gen still legt, sind lebensunfähig. Das Einbringen des menschlichen Gens in Hefezellen hingegen "repariert" diesen Schaden wieder. Eine Fehlfunktion des Enzyms mit bis zu 70 verschiedenen Varianten kann schließlich zu Krebs führen. Auch eine Beteiligung an der Entstehung von Morbus Alzheimer wird diskutiert.
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Untersuchung von Chromosomen-Veränderungen
Die zweite Auszeichnung der Stiftung erheilt Katrina Vanura. Die Wissenschaftlerin hat in der Arbeitsgruppe von Ulrich Jäger an der Universitätsklinik für Innere Medizin I Chromosomen-Veränderungen untersucht, wie sie bei Patienten mit Leukämien - aber offenbar auch bei Gesunden - auftreten.

"Die Mechanismen der Entstehung von Lymphomen und Leukämien stehen in einem engen Zusammenhang mit der Funktion des adaptiven Immunsystems", erklärt dazu die Wissenschaftlerin.

"Damit Millionen verschiedene T-Zellen mit jeweils bestimmten Rezeptoren für Antigene gebildet werden können, muss in den Vorläuferzellen eine Veränderung der Erbsubstanz zur so genannten V(D)J-Rekombination erfolgen. Die Erbsubstanz wird dabei an bestimmten Stellen geschnitten und dann neu zusammen gebaut."
Riskantes Manöver: Leukämie als mögliche Folge
Doch genau das ist offenbar ein riskantes Manöver, da es dabei zur Umlagerung von Chromosomen-Teilen kommen kann, welche schließlich zur unkontrollierten Vermehrung der betroffenen Zellen führt.

Allerdings, solche Chromosomen-Umlagerungen gibt es nicht nur bei Leukämie-Patienten. Die Wissenschaftlerin: "Sie sind auch zu einem hohen Prozentsatz bei Gesunden zu entdecken." Laut den Arbeiten der Experten, dürfte eine zweimalige Gen- bzw. Chromosomen-Mutation notwendig sein, dass eine akute T-Zell-Leukämie entsteht.

Auf jeden Fall aber können diese Arbeiten die Grundlagen für bessere vorbeugende, diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Verhinderung, Feststellung bzw. Behandlung solcher Leukämien bieten.
->   Aventis Forschungspreise
 
 
 
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01.01.2010