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Musikgeschmack und Lebensstil hängen zusammen  
  Was britische Opernhörer, Hip-Hop-Fans und Co. in der alltäglichen Lebensweise voneinander unterscheidet, hat nun ein Psychologe erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Lebensstil eines Menschen zu einem hohen Grad an seinem Musikgeschmack ablesen lässt - wahrscheinlich mehr, als einem lieb ist.  
Beispielsweise liegt laut Adrian C. North von der School of Psychology der University of Leicester bei Hörern von Hip-Hop und Dance-Music die höchste Wahrscheinlichkeit vor, dass diese nicht sehr umweltbewusst sind und bereits einmal eine kriminelle Tat begangen haben.

Grundsätzlich gilt: Der sozioökonomische Status eines Menschen ist eng mit den musikalischen Vorlieben assoziiert.
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Die Ergebnisse der Befragung von Adrian C. North und seinem Kollegen David J. Hargreaves werden demnächst in dem Fachjournal "Psychology of Music" präsentiert.
->   "Psychology of Music"
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Bildern von Stereotypen auf der Spur
Ihre Schlüsse ziehen North und sein Kollege David J. Hargreaves auf Grundlage einer Befragung von 2.500 Briten.

Diese sollten aus einer Liste von 35 Musikstilen auswählen, welcher ihren derzeitigen Geschmack repräsentiert, sowie über ihren Lebensstil berichten: über ihre Lebensumstände, politische und moralische Ansichten, Reisegewohnheiten, die finanzielle Lage, Bildung, Beschäftigung, Gesundheit, Medienkonsum und Freizeitgestaltung.
Hip-Hop und Dance-Music: Die "bad guys"?
Die Analyse der Umfrageergebnisse der britischen Forscher zeigte, dass es gerade im Hinblick auf Beziehungen, Ansichten und den Umgang mit dem Gesetz zu großen Unterschieden zwischen den Fans einzelner Musikstile kommt - "verhaltensauffällig" seien dabei besonders die Hip-Hop- und Dance-Music-Fraktionen.

Diese sind im Vergleich zu anderen Fans "umtriebiger": 37,5 Prozent der Hip-Hop-Fans und rund 29 Prozent der Dance-Music-Anhänger haben North zufolge in den letzten fünf Jahren mehr als einen sexuellen Partner gehabt - im Gegensatz zu nur 1,5 Prozent der Country-Fans.

Hip-Hop- und Dance-Music-Hörer wären auch diejenigen, die am wenigsten religiös sind, weniger recyceln sowie die Entwicklung von alternativen Energien oder steigende Steuern für bessere öffentliche Dienstleistungen nicht schätzen.
Die "Gesetzesübertreter"
Mit der Gesetzestreue nehmen es die Hip-Hop- und Dance-Music-Anhänger am wenigsten genau: Rund 57 Prozent der Dance-Music-Fans und 53 Prozent der Hip-Hop-Fans gaben zu, bereits einen "kriminellen Akt" begangen zu haben. Hingegen wissen sich Musical-Fans wohl besser zu benehmen: Nur rund 18 Prozent bestätigten letzteres.

Laut North sei es auch bei Hip-Hop- und Dance-Music-Fans am wahrscheinlichsten, dass sie bereits mehrere illegale Drogen ausprobiert hätten. Doch immerhin ein Viertel der Anhänger der Klassik und Opernmusik sagten, sie hätten bereits Cannabis probiert, 12,3 Prozent der Opernfans bereits halluzinogene Pilze.
Eine Frage der Bildung?
Bei Fragen des Geldes, der Bildung, der Beschäftigung und der Gesundheit zeigte sich, dass Fans entsprechend ihres sozioökonomischen Status bestimmte Musikstile favorisieren.

Fans der Klassik und Oper waren eher der Mittel- und Oberschicht zuzuordnen. Sie hatten ein durchschnittliches Brutto-Jahreseinkommen von 35.000 Britischen Pfund (56.900 Euro). Dance-Musik-Fans verdienten hingegen nur 23.311 Britische Pfund (37.900 Euro), schreibt North in einer Aussendung.

6,8 Prozent der Opern-Fans hatten zudem einen PhD-Abschluss - hingegen keiner der Pop-Fans. Anhänger der Klassik, der Oper und des Jazz tendierten dazu, mehr Geld für Essen auszugeben und tranken mehr Wein als Fans anderer Musikstile.
Bei Medien: Rock und Klassik in einem Boot
Doch auch der Medienkonsum wird in den Zusammenhang mit Musikgeschmäckern gebracht: Zuseher von dem breiten Angebot des öffentlichen Senders "BBC1" seien eher Fans des Rocks und der klassischen Musik. Die Seher des unabhängigen britischen "ITV1" neigten eher dazu, Disco- und Popmusik zu hören.

Rock- und Klassikhörer würden auch auf großformatige Zeitungen (z.B. "The Guardian") zurückgreifen, während die Boulevardzeitungen (z.B. "The Sun") eher Dance- und Popmusik-Hörer als Abnehmer hätten - sowie 1960er Jahre Musikliebhaber.

Nachdem North die Lebensstile der Briten anhand ihrer Musikstile entlarvt hat, soll nun eine weltweite Analyse folgen - Freiwillige vor!

[science.ORF.at, 14.9.06]
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musicaltastetest.com
Adrian North sucht nun weltweit nach 10.000 Menschen, die sich an einer Online-Umfrage beteiligen und ihre Präferenzen aus über 50 Musikstilen angeben. Der Fragebogen wird auf der Website des Psychologen vorgestellt.
->   Adrian North - Homepage
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->   School of Psychology, University of Leicester
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01.01.2010