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Zuwenig Gebärdensprache an Gehörlosenschulen  
  Laut einer Studie von Wissenschaftlerinnen der Uni Wien wird an Gehörlosenschulen zuwenig Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) unterrichtet, obwohl dies die Sprachkompetenz der Kinder erhöhen könnte.  
Von sechs Gehörlosenschulen in Österreich bekennt sich nur eine zur ÖGS. Die Sprachwissenschaftlerinnen Verena Krausneker und Katharina Schalber fanden in ihrer Untersuchung heraus, dass "gehörlose Kinder als behindert angesehen werden und man versucht, sie so gut wie möglich zu integrieren, in dem man ihnen Deutsch und Lippenlesen beibringt."

Dies sei aber bei weitem nicht ausreichend. Zweisprachigkeit, also Deutsch und Gebärdensprache, sei von Vorteil, um die Sprachkompetenz der Kinder zu erhöhen.
Pausengespräche in der Gebärdensprache
Zusätzlich sollte berücksichtigt werden, dass die meisten betroffenen Kinder sich in den Pausen mit ÖGS verständigen. Das könnten sie aber oftmals nur mangelhaft, weil sie die Gesten mangels gehörloser Eltern und ausgebildeter Lehrer nicht ausreichend beherrschten.

Auch in der Pädagogenausbildung orten die Forscherinnen einige Mängel: Es gäbe keine Grundausbildung für den Unterricht Gehörloser. Jeder Pflichtschullehrer könne an eine Gehörlosenschule berufen werden. Die Folge: Engagierte Lehrer müssen sich einen Gebärdensprachenkurs selber zahlen, wenn sie mit den Kindern kommunizieren wollen.

Gehörlose selbst dürfen laut Gesetz nicht Lehrer werden, Ausnahmeregelungen betreffen derzeit nur sechs Personen, von denen zwei an einer Gehörlosenschule unterrichten.
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Präsentation der Studie
Die Studie wird am 4. Februar 2008, ab 9.00 Uhr an der Universität Wien, Hauptgebäude, Elise-Richter-Saal, präsentiert.
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Schwierige Datenerhebung
Die Studie von Krausneker und Schalber basiert auf Fragebögen sowie Interviews mit Experten und Lehrern. Teilweise sei das Datenmaterial aber unbrauchbar, weil die Fragebögen entweder unbeantwortet zurückgesendet wurden oder beschmiert waren.

Eine Erhebung der Population von gehörlosen oder hörbehinderten Schülern sei durch widersprüchliche Abgaben der zuständigen Schulbehörden in den Bundesländern nicht möglich gewesen.

[science.ORF.at/APA, 1.2.08]
->   Infos zur Studie in der Zeitung der Uni Wien
->   Infos zu den Forscherinnen
Mehr zu diesem Thema in science.ORF.at:
->   Handbuch für Gebärdensprache (19.9.03)
->   Implantate gegen Gehörlosigkeit (08.01.04)
->   CD-Rom für Gehörlose und Hörende (27.6.03)
 
 
 
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01.01.2010