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Das Überlebensrezept der Dinos: Glück haben  
  Die Lebensgeschichte der Dinosaurier liest sich in manchen Elementen wie ein einfach gestrickter Roman: zuerst die Geschichte des Aufstiegs, steinig, aber letztlich aufgrund ihrer Überlegenheit unaufhaltsam; und dann das tragische Ende durch einen Schicksalsschlag. Forscher konnten nun belegen, dass zumindest der erste Teil der Story so nicht stimmt: Ihr anfänglicher Erfolg hatte nichts mit "Können", sondern nur mit Glück zu tun.  
Stephen Brusatte, Paläontologe am American Museum of Natural History in New York, und seine Kollegen von der Universität Bristol haben untersucht, ob die Dinosaurier den Crurotarsia, einer Untergruppe der Archosaurier, tatsächlich so überlegen waren, wie bisher angenommen.

"Im Gegenteil", lautet ihre Schlussfolgerung: Die Dinos hätten nur rein zufällig eine Klimakatastrophe überlebt, die ihre schärfsten Konkurrenten nahezu auslöschte.
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Die Studie "Superiority, Competition, and Opportunism in the Evolutionary Radiation of Dinosaurs" ist am 12. September 2008 in "Science" erschienen (Band 321, s. 1485-1488, DOI: 10.1126/science.1161833).
->   "Science"
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Große Vielfalt
Bild: Stephen Brusatte
Sechs Schädelformen unterschiedlicher Crurotarsia
Von den Crurotarsia, die zur Zeit der Trias vor 251 bis 199 Millionen Jahren gemeinsam mit den Dinosauriern die Erde bevölkert haben, sind bis heute nur die Krokodile als direkte Verwandte übrig geblieben.

Dabei zeichnete sich diese Untergruppe der Archosaurier in der Trias durch ihre besonders große Vielfalt aus: Es gab sie als riesige, auf vier Füßen laufende Jäger, als schlanke zweifüßige Räuber, als wendige Allesfresser, als Fisch-Gourmets und kleine bis mittelgroße Pflanzenfresser - um nur einige Beispiele zu nennen.

Dennoch unterlagen die Crurotarsia den Dinosauriern im Kampf um Nahrungsmittel und Lebensräume: Nachdem sie nahezu ausgestorben waren, erlebten die Dinosaurier ihre wahre Blütezeit, also müssen die Dinos den Krokodil-Vorgängern in irgendeinem Detail überlegen gewesen sein - so lautete zumindest bisher die gängige These.
Knochenbau und Stammbäume verglichen
Stephen Brusatte und seine Kollegen wollten es nun genau wissen, worin der vermeintliche Vorteil der Dinos gelegen hatte, und stellten zwei Vergleiche an: Zum einen zogen sie 437 Angaben zum Skelett von 64 verschiedenen Dinosaurier- und Crurotarsia-Arten heran, um Unterschiede im Knochenaufbau herauszufilten (was wiederum auf Ernährungsweise und Lebensraum schließen lässt).

Und zum zweiten verglichen sie deren Stammbäume soweit bekannt, um mehr über die Geschwindigkeit herauszufinden, mit der neue Arten entstanden.
Gleich schnelle Entwicklung ...
Stephen Brusatti fasst das Ergebnis der Analysen so zusammen: "Hätte man am Ende der Trias wetten müssen, welche Art überleben wird, hätte man auf die Crurotarsia setzen müssen". Denn eigentlich zogen die Vorfahren unserer Krokodile mit den Dinosauriern überall gleich bzw. waren ihnen sogar überlegen:

Neue Arten entstanden bei beiden Arten gleich schnell. Dass die Dinosaurier sich schneller diversifiziert hätten und damit die anderen verdrängt, davon kann laut Studie keine Rede sein.
... und höhere morphologische Vielfalt
 
Bild: Simon Powell

Hinsichtlich der morphologischen Vielfalt schneiden die Crurotarsia sogar besser ab: Sie kannten mehr unterschiedliche Körperformen, Ernährungsweisen und Lebensräume als die Dinosaurier (siehe auch Grafik oben). Diese Ergebnisse machen es schwer, von einer generellen Überlegenheit der Dinosaurier zu sprechen, so die Forscher.
Glück gehabt
Aber warum haben die Dinos dann doch die Krokodil-Vorfahren überlebt? "Sie hatten einfach mehr Glück", antwortet Stephen Brusatte. Denn die Dinos überlebten eine Klimakatastrophe vor 200 Millionen Jahren am Ende der Trias, die möglicherweise durch einen Asteroiden ausgelöst wurde.

Die Crurotarsia hingegen wurden bis auf wenige Linien, von denen die Krokodile übrig blieben, ausgelöscht: Der Weg für die Dinosaurier war frei.
Wie die Säugetiere
"Viele Menschen glauben, dass die Evolution nur den logischen Fortschritt kennt: Das Bessere überlebt das Schlechtere - wie bei Autos, deren Technologie von Version zu Version ausgefeilter wird", kommentiert Co-Autor Michael Benton.

Dem sei aber nicht so: "Auch wenn es schwer ist: Wir müssen akzeptieren, dass die Dinosaurier ihre dominante Position nur durch Zufall bekommen haben. Ebenso wie die Säugetiere ihren Siegeszug erst antreten konnten, als die Dinos durch einen Meteoriten-Einschlag ausgelöscht wurden."

Elke Ziegler, science.ORF.at, 12.9.08
->   Stephen Brusatte
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01.01.2010