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Sodbrennen auf dem Weg zur Volkskrankheit  
  50 Prozent der Österreicher leiden gelegentlich nach üppigen, spät abends eingenommenen Mahlzeiten, übermäßigem Nikotin- oder Alkoholkonsum an Sodbrennen. Jetzt warnen Experten vor der zunehmenden gesundheitlichen Gefährdung durch Sodbrennen in wachsenden Teilen der Bevölkerung.  
"Die Refluxkrankheit ist auf dem besten Wege, eine Volkskrankheit zu werden", warnt Günter Krejs, Vorstand der Medizinischen Universitätsklinik Graz.

Aber bei fast zehn Prozent der Österreicher ist Sodbrennen nicht nur die Strafe, die unmäßigem Umgang mit Nahrungs- und Genussmitteln auf dem Fuße folgt, sondern es handelt sich um ein eigenständiges Erkrankungsbild (Refluxkrankheit).
Bagatellisierung der Beschwerden
Die Beschwerden werden von den Betroffenen jedoch häufig bagatellisiert und selbst behandelt. Der Verbrauch an Säure blockenden Medikamenten ist in Österreich nicht gerade gering.

Stellt sich der brennende Schmerz in Speiseröhre und Rachen regelmäßig zwei Mal pro Woche ein, sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden, warnen Mediziner.
Nicht einfach hinnehmen
"Häufiges Sodbrennen ist kein Leiden, das man bis an sein Lebensende einfach hinnehmen muss. Leider ist der Informationsstand der Bevölkerung über mögliche Behandlungsmethoden recht niedrig", meint Gerhard Schwab, Leiter der Abteilung f. Chirurgie am Krankenhaus Krems.
"Saure Attacken"
Beim Sodbrennen kommt es zu einem Rückfluss (Reflux) von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Neben den bekannten Symptomen wie Schmerzen hinter dem Brustbein oder "saurem Aufstoßen" kann es zu Oberbauchschmerzen und Schluckstörungen kommen.

Tritt dieser Rückfluss gehäuft auf, spricht man von einer Refluxkrankheit. Durch die ständige Reizung kann es zur "Refluxösophagitis", also zu Entzündungen der Speiseröhren-Schleimhaut kommen.
->   Gastroösophageale Refluxkrankheit
Die Ursachen des Sodbrennens
Die Ursachen für die Refluxkrankheit, auch GERD (gastro esophageal reflux disease) genannt, sind nicht nur fettes Essen, Nikotin- und Alkoholkonsum bzw. Übergewicht. Denn Sodbrennen entsteht vor allem dann, wenn der Schließmechanismus, der das Aufsteigen der ätzenden Magensäure in die Speiseröhre verhindern soll, nicht richtig funktioniert.

Meist liegt eine Störung des Regelkreises zwischen Stammhirnimpulsen, der nervösen Versorgung und dem Schließakt des Sphinkters (Schließmuskel) zwischen Magen und Speiseröhre vor. Bei normaler Funktionsweise hindert dieser kräftige Muskel im Bereich des Mageneingangs den salzsauren Mageninhalt am Zurückfließen in die Speiseröhre.

Darüber hinaus können Störungen der Peristaltik, also der wellenförmigen Bewegungen der Speiseröhrenwand, die den Nahrungsbrei Richtung Magen voranschieben, vorliegen. Ist dazu die Speichelproduktion im Mund mangelhaft und liegt eine verzögerte Magenentleerung vor, sind alle Voraussetzungen für die Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre) mit allen ihren möglichen Folgen gegeben.
Unbehandeltes Sodbrennen hat Folgen
"Jahrelang unbehandelt, kann die gastroösophageale Refluxerkrankung zu Komplikationen wie zu Defekten der Speiseröhrenschleimhaut, Geschwüren, Blutungen, zu Einengungen der Speiseröhre und im schlimmsten Fall zum gefürchteten Speiseröhrenkrebs führen", so Krejs.
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Bedrohung Speiseröhrenkrebs
Durch die ständigen Reizung kommt es zu Veränderungen des Speiseröhren-Epithels. In zehn Prozent der Fälle wird dann das Pflasterepithel im untersten Speiseröhrenanteil durch Zylinderepithel (Magenschleimhaut) ersetzt.

Die Pathologen sprechen von Metaplasie. Nach dem britischen Thorax-Chirurgen Barrett (1950) werden diese Veränderungen auch Barrett-Epithel genannt. Verändert sich dieses Barrett-Epithel weiter, spricht man von leichter bzw. schwerer Dysplasie. In der Folge kann das Gewebe entarten und Krebs entstehen. "Gerade die Häufigkeit des Adenomkarzinoms in der unteren Speiseröhre ist", so Krejs, "in den letzten Jahren deutlich angestiegen und hat sich sogar verdoppelt."
->   Ösophaguskarzinom
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Die Diagnose der Refluxkrankheit
Die Refluxerkrankung ist durch konsequente Maßnahmen gut in Griff zu bekommen. Eine genaue diagnostische Klärung der Beschwerden ist natürlich der erste und wichtigste Schritt für die Wahl der richtigen Therapie.

Zur Diagnostik stehen dem Arzt neben der Endoskopie, also der Spiegelung der Speiseröhre und des Magens, die Druckmessung und die 24-Stunden-PH-Metrie zur Verfügung. Bei der Druckmessung wird festgestellt, ob der Ruhedruck des unteren Speiseröhrenschließmuskels pathologisch erniedrigt ist.

Die 24-Stunden-PH-Metrie wiederum misst während eines ganzen Tages den Säuregehalt in der Speiseröhre.
Medikamentöse Behandlung
"Das Mittel der Wahl zur Behandlung der Refluxkrankheit sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI)", so Krejs. Sie blockieren die Magensäureproduktion nahezu völlig. Zur Ausheilung werden PPIs - je nach Schweregrad der Veränderungen der Speiseröhre - zwischen vier und zwölf Wochen verabreicht. Die Heilungsrate liegt zwischen 84 und 92 Prozent.
Chirurgische Eingriffe
Mechanische Störungen des Schließmechanismus im Bereich des Mageneingangs und ein meist vorliegender Zwerchfellbruch (Hiatushernie) können auch chirurgisch behoben werden. Die dabei angewandte Operationsmethode (Fundoplikatio) wird laparoskopisch (mittels "Schlüsselloch-Chirurgie") durchgeführt.

Über fünf kleine Schnitte in die Haut werden eine Videokamera und feine Operationsinstrumente in die Bauchhöhle eingebracht. Zunächst wird der Zwerchfellbruch behoben, in der Folge werden Teile des Magens manschettenförmig über die Speiseröhre gefaltet. Diese Manschette verstärkt nun die Schließmuskelfunktion des Ösophagus - der Magensaft kann nicht mehr zurückfließen.
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Hiatushernien
Wörtliche übersetzt heißt Hiatushernie "Zwerchfellbruch". Das Zwerchfell, ein flächiger Muskel, trennt den Brust- vom Bauchraum. Durch Schwachstellen im Zwerchfell kann sich der obere Teil des Magens in den Brustraum vorstülpen. Das wird dann als Hiatushernie bezeichnet. Hiatushernien selbst machen keine Symptome, können aber eine Voraussetzung für die Entwicklung einer Refluxkrankheit darstellen. So genannte Gleithernien treten bei älteren Menschen häufig auf, wobei die Vorwölbung meist im Liegen auftritt und Sodbrennen verursacht.
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Wann sollte operiert werden?
"Grundsätzlich dürfen Operationen nur nach genauester Diagnostik durchgeführt werden", meint Schwab. "Besonders junge Patienten, die sonst lebenslänglich Medikamente einnehmen müssten, sowie Patienten mit starkem Reflux und solche, die unter Lungenbeschwerden leiden, profitieren von einer dauerhaften Lösung mittels laparoskopischer Fundoplikatio."

Außerdem verlangt diese Operation viel Erfahrung und Geschick vom Operateur, denn Untersuchungen haben ergeben, dass Komplikationen nach einer Fundoplikatio an Zentren, wo weniger als 50 Eingriffe pro Jahr durchgeführt werden, häufiger auftreten.

Mehr zum Thema "Sodbrennen" können Sie in der Sendung "Der Radiodoktor" am Montag, dem 19.11.2001, um 14.05 Uhr in Ö1 erfahren.

Martina Weigl und Christoph Leprich, Ö1-Radiodoktor
Zur Frage, wann ein operativer Eingriff überhaupt durchgeführt werden sollte, empfiehlt die SAGES (Society of American Gastrointestinal Endoscopic Surgeons):
->   Society of American Gastrointestinal Endoscopic Surgeons
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Tipps zur Selbsthilfe
Wer zu Sodbrennen neigt, sollte bestimmten Gewohnheiten den Rücken kehren.
- Mehrere kleine Mahlzeiten werden schneller verdaut und belasten somit den Magen nicht so lange.
- Zu jeder Mahlzeit genügend trinken, jedoch keine kohlensäurehaltigen Getränke.
- Auf Alkohol und Zigaretten sollte verzichtet werden, da diese den Ösophagus-Sphinkter schwächen.
- Nach 18.00 Uhr sollte nicht mehr üppig gespeist werden, damit vor dem Zu-Bett-Gehen genug Zeit für die Verdauung bleibt. Übrigens: Es gibt Speisen, die besonders lange im Magen liegen bleiben, z.B. Ölsardinen und Hülsenfrüchte.
- Nächtliche Ausflüge zum Kühlschrank oder Betthupferln aus Schokolade sollten gestrichen werden.
- Ein "Verdauungsschnäpschen" nach dem Essen regt die Säureproduktion im Magen an.
- Stark einengende Kleindung und enge Gürtel sollten vermieden werden.
- Reduktion von Übergewicht
->   Mehr dazu auf netdoktor.at
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->   Ermitteln Sie Ihr Sodbrenn-Risiko
 
 
 
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01.01.2010