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"Subtiler Rassismus" im US-Gesundheitssystem  
  Angehörige von rassischen oder ethnischen Minderheiten werden im Gesundheitswesen der USA diskriminiert. Dadurch sind sie einem größeren Risiko ausgesetzt, an einer Aids-Infektion, Herzerkrankung, Krebs oder Diabetes zu sterben, wie eine neue US-Studie zeigt.  
Gravierende Nachteile im US-Health-Care-System haben Angehörige von Minoritäten, also etwa Schwarze: Bei der selben Grunderkrankung ist demnach die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie ebenso aufwändige Behandlungen wie Menschen mit "weißer Hautfarbe" erhalten.

Diese Benachteiligung wirke sich auch dann aus, wenn die Krankenversicherungen einander entsprechen, hat die aktuelle Studie eines unabhängigen US-Gesundheitsinstituts ergeben, wie die "New York Times" berichtet.
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Details der Studie
Für die Studie wurden rund 100 medizinische Untersuchungen landesweit in den Vereinigten Staaten auf Diskriminierung von Minderheiten durchleuchtet. Angehörige von Minderheiten haben demnach bei der selben Grunderkrankung eine geringere Wahrscheinlichkeit auf aufwändige Behandlungen wie Bypass-Operationen oder Nierentransplantationen und bekommen weniger häufig eine genau angepasste medikamentöse Behandlung bei einer HIV-Infektion als weiße Patienten. Bei Diabetes beispielsweise werden Schwarzen bei der selben Diagnose 3,5 Mal häufiger die Extremitäten amputiert.
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Ursachenforschung
Als mögliche Ursache für die Diskriminierung ermittelten die Studienautoren "typische rassistische negative Stereotypen" bei Ärzten. So wurden in New York Afro-Amerikaner bei Herzerkrankungen wesentlich seltener für komplizierte Operationen vorgeschlagen als Weiße.

Bei Gesprächen begründeten die Mediziner ihr benachteiligendes Vorgehen damit, dass sie im Vorhinein annahmen, diese Patienten würden nicht regelmäßig zur wichtigen Nachbetreuung erscheinen.
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Rassistische Stereotypen
Im Herbst 2001 stellten US-Wissenschaftler fest, dass die Unterscheidung von Rassen weder aus Sicht der Psychologie noch der Evolution "notwendig" sei. Menschen, die ihre Mitmenschen nach ihrer Hautfarbe kategorisieren, nehmen diese unter geänderten sozialen Bedingungen innerhalb kürzester Zeit nach anderen Kriterien wahr. Rassismus sei deshalb kein unvermeidliches, in den Gehirnen verankertes Phänomen.
->   Rassismus: Keine Frage der Wahrnehmung
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Ärzte aus Minderheiten und Dolmetscher
Unter den Ärzten sind im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung unterdurchschnittlich wenig Angehörige von Minderheiten vertreten. Nur neun Prozent der amerikanischen Ärzte sind asiatischer, afrikanischer, südamerikanischer oder indianischer Herkunft.

Als Mittel gegen den "subtilen Rassismus" mit tödlichen Folgen empfiehlt das Institut daher, mehr Ärzte aus Minderheiten einzustellen, bei der Behandlung von Patienten mit geringen Sprachkenntnissen öfter Dolmetscher einzusetzen sowie die Diskriminierung genauer zu erforschen.
Politische Reaktionen
Die Vorsitzende der National Medical Association, Lucille Perez, sieht durch den Bericht ihre Warnungen vor Rassismus im Gesundheitswesen bestätigt.

Für den Staatssekretär für Gesundheitswesen in der Bush-Regierung, Claude Allen, liegt der Schlüssel zu einer
diskriminierungsfreien Behandlung in mehr Aufklärung von Ärzten und Patienten über die negative Wirkung von Vorurteilen.
Mehr zum Thema Rassismus in science.ORF.at:
->   Rassistische Wahrnehmungen
->   Was ist Rassismus?
 
 
 
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01.01.2010