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Spielzeug: Buben wollen Autos, Mädchen Puppen  
  Buben, die lieber mit Autos spielen, Mädchen, die Puppen bevorzugen: Gesellschaftliches Vorurteil oder biologische Disposition? Eine Frage, die aufgeklärte Eltern gerade vor dem weihnachtlichen Geschenkekauf oft in Verlegenheit bringt. Dem muss aber nicht sein, meinen nun zwei amerikanische Psychologinnen: Sie haben die Attraktion geschlechtsspezifischer Spielsachen auch bei anderen Primaten entdeckt. Die Affen bestätigen ihrer Ansicht nach die These, wonach die Vorliebe für gewisses Spielzeug - auch - angeboren ist.  
Grüne Meerkatzen als Beweis
Die Psychologinnen Gerianne Alexander und Melissa Hines von der Texas A&M University sind der Frage auf evolutionsbiologischem Weg nachgegangen.

Sie haben grüne Meerkatzen (Cercopithecus aethiops), eine zur Ordnung der Primaten gehörende Affenart Afrikas und der Karibik, mit menschlichem Spielzeug aller Art konfrontiert.

Ihr Ergebnis: Affen bevorzugen genau wie ihre menschlichen Genossen die gleichen Spielzeuge - und zwar in gleicher Weise entlang der Geschlechterlinien. Weibliche Affen beschäftigten sich eher mit "weiblichen Spielzeugen", männliche eher mit "männlichen".
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"Sex differences in response to children's toys"
Die Studie von Gerianne M. Alexander und Melissa Hines ist unter dem Titel "Sex differences in response to children's toys in nonhuman primates" in "Evolution and Human Behavior" (Bd. 23, Nr 6, S. 467-479) erschienen.
->   "Evolution and Human Behavior"
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Konstrukte und Wahrnehmungssignale
"Natürlich sind die Kategorien 'männliche' und 'weibliche Spielsachen' von Menschen konstruiert. Unsere Studien aber beweisen, dass es für die Geschlechteraffinität auch noch andere Ursachen gibt - Wahrnehmungssignale verschiedener Objekte wie z.B. Spielzeuge, die Männchen eher anziehen als Weibchen und umgekehrt," resümiert Alexander in einer Aussendung.
Experiment mit Autos, Puppen und Plüschhunden
Bei dem Experiment wurden den grünen Meerkatzen Spielzeuge vorgesetzt, die von den Psychologinnen als männlich (Autos, Bälle), weiblich (Puppen, Kochtopf) und neutral (Bilderbuch, Plüschhunde) eingestuft worden waren.

Das Resultat: die Geschlechter interessierten sich tendenziell für "ihr" spezifisches Spielzeug, den "neutralen" Objekten widmeten beide gleich viel Zeit.
->   Mehr über grüne Meerkatzen
Erklärung: Männchen bevorzugen aktives Spiel ...
Eine Erklärung für dieses Verhalten bietet Alexander ebenfalls an. Die männlich codierten Objekte hätten die Eigenschaft, aktiv benutzt und durch den Raum bewegt werden zu können. Damit verbunden seien bessere Möglichkeiten für ein raues und selbsttätiges Spiel - laut Alexander ein Charakteristikum männlicher Spiele.

Hinter dieser Vorliebe für Bewegungen könnten auch Navigations- und Orientierungsfähigkeiten stehen, die seit Urzeiten bei der Jagd, bei der Essens- oder Partnerinnensuche vonnöten gewesen seien.
... Weibchen rosarote Farben
Auf der anderen Seite könnten Weibchen beispielsweise eine Vorliebe für die Farbe eines Objekts entwickelt haben, was ihrer Funktion als Pflegerin und Mutter entspräche.

So nahmen Alexander und Hines eine Bevorzugung von Rot oder Rosa an - den Farbe der Puppen und Kochtöpfe -, und brachten dies in Zusammenhang mit der Sorge um ihren Nachwuchs.
Stereotypen auf Basis von Angeborenem
Summa summarum sprechen die Psychologinnen bezüglich geschlechtsspezifischer Spielzeuge zwar von "gesellschaftlichen Stereotypen", diese bauen aber "wahrscheinlich unbewusst auf angeborenen Vorlieben" auf.

Ob diese beim weihnachtlichen Geschenkekauf zu berücksichtigen sind oder nicht, müssen aufgeklärte Eltern selbst entscheiden. Soweit sie nicht von der Evolution zu einer Entscheidung getrieben werden.
->   Texas A&M University, Department of Psychology
Mehr dazu in science.ORF.at:
->   Geschlechterverhältnis: Eine Frage der Geografie
->   Das Lachen der Geschlechter
->   Arme Männer
 
 
 
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01.01.2010