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PISA-Daten: Warnung vor voreiligen Schlüssen  
  Offiziell sind die aktuellen Zahlen des internationalen Bildungsvergleichs PISA nicht bekannt. Nach den bisherigen Veröffentlichungen dürfte aber Österreich insbesondere bei der Lesefähigkeit der Schüler schlechter abschneiden als zuletzt. Die Bildungsexpertin Christiane Spiel warnt aber davor, voreilig Vergleiche zwischen den beiden PISA-Studien anzustellen.  
Schwerpunkt und Methoden seien unterschiedlich und möglicherweise hätten Österreichs Schüler in der ersten Untersuchung auch einfach aus statistischen Zufällen heraus besser abgeschnitten.
Nicht einseitig auf PISA-Ergebniss reagieren
Wie auch immer die Ergebnisse der PISA-Studie ausfallen mögen, Spiel - Dekanin der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien - hält es für falsch, unmittelbar darauf zu reagieren: "Es genügt nicht, immer dort etwas zu tun, wo wir gerade schlecht abschneiden."

Es gehe vielmehr darum, das gesamte Schulsystem zu überprüfen, sagte Spiel im ORF-Mittagsjournal.
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PISA-Studie entfacht Bildungsdebatte
Die ersten vorab veröffentlichten Daten der Bildungsstudie PISA haben den Streit über die österreichische Bildungspolitik voll entfacht. Die Opposition sieht die Schuld für den angeblichen Absturz der Lesekompetenz heimischer Schüler bei Bildungsministerin Gehrer (ÖVP). Sie selbst erteilte Strukturreformen im Bildungswesen jedoch bisher eine Absage.
->   Mehr dazu in ORF.at (25.11.04)
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Problem: Fehlende Verantwortlichkeiten
Als zentrales Problem im österreichschen Schulwesen sieht Spiel - die auch Mitglied der Zukunftskommission des Bildungsministeriums ist - etwa die mangelnde Verantwortlichkeit auf allen Ebenen:

"Wenn man die Lehrenden anschaut, so sind wir zu sehr darauf orientiert, dass man sagt: Ich unterrichte etwas. Und nicht darauf: Ich habe die Verantwortung dafür, dass die Schülerinnen und Schüler etwas können."
Klare Ziele sollten vorgegeben sein
Diese Verantwortlichkeit setze aber wiederum voraus, dass im gesamten Schulsystem klar Ziele vorgegeben werden und deren Einhaltung dann auch überprüft werde, sagt Spiel.

Und dafür verantwortlich seien nicht nur die Lehrer allein sondern eben das gesamte Schulsystem.
Nicht ausschließlich auf die Noten konzentrieren
Es sollte insgesamt weniger um Noten als vielmehr um die Frage gehen, was die Schüler und Schülerinnen können, verlangt die Bildungsexpertin, die auch science.ORF.at-Host ist.

Nachanalysen der ersten PISA-Studie hätten gezeigt, dass selbst bei gleichen Noten die Kompetenzen der Schüler höchst unterschiedlich sind. Das gelte insbesondere für die AHS, sagt Spiel.
Verbesserungen nicht über Nacht zu erwarten
Veränderungen in der Schule, insbesondere zu den Spitzenländern im internationalen Schulvergleich - etwa Finnland - aufzuschließen, das könne nicht mit Einzelmaßnahmen und nicht über Nacht erreicht werden, warnt Spiel.

"Wir sind in der gleichen Situation wie andere Länder, deren Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprechen: Wir müssen uns die Schule gesamtheitlich ansehen und man kann nicht erwarten, dass mit einer Ho-Ruck-Maßnahme sich morgen oder in einem Jahr alles geändert hat."

Die Zukunftskommission wird voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres ihre endgültigen Vorschläge zu Veränderungen im österreichischen Schulwesen vorlegen.

Franz Simbürger, Ö1-Wissenschaft, 25.11.04
->   Fakultät für Psychologie an der Universität Wien
->   science.ORF.at-Beiträge von Christiane Spiel
->   science.ORF.at-Archiv zum Thema "PISA-Studie"
 
 
 
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01.01.2010