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AIDS wird immer mehr zur Armutsfalle  
  Weil die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten besser geworden sind, sterben heute in Österreich deutlich weniger Menschen an AIDS als früher. Doch die Krankheit wird zunehmend zur Armutsfalle.  
Acht bis zwölf Opfer pro Jahr
Vor einigen Jahren starben in Österreich binnen zwölf Monaten jeweils 150 bis 170 Menschen an der Immunschwächekrankheit - dank besserer Behandlung hat sich diese Zahl auf acht bis zwölf Opfer pro Jahr gedrückt.

Davor - und vor einem befürchteten Anstieg der Neuinfektionen - wurde am Montag bei einer Pressekonferenz der AIDS-Hilfe Wien vor dem Welt-AIDS-Tag (1. Dezember) gewarnt.
90 Prozent leben unter der Armutsgrenze
Die Geschäftsführerin der Organisation, Claudia Kuderna: "Wir haben eine Studie unter 500 Personen durchgeführt, zu denen wir in den vergangenen drei Jahren zumindest einmal über die Sozialarbeit Kontakt gehabt haben. Diese Zahlen sind relativ erschütternd. Mehr als 90 Prozent der HIV-positiven Klienten leben unter der Armutsgrenze von 780 Euro pro Monat. Im Durchschnitt sind es 570 Euro - zwölf Mal im Jahr. Drei Viertel sind überschuldet. 48 Prozent haben psychische Probleme."
Geringere Sterblichkeit, neue Probleme ...
Während die in Österreich vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten die Todesraten - so AIDS-Hilfe Wien-Präsident Dennis Beck - die Sterbezahlen dramatisch gesenkt hat, ergibt sich daraus auch eine zusätzliche Problematik: Immer mehr Menschen müssen mit der chronischen HIV-Infektion und ihren Folgen in allen Lebensbereichen zurecht kommen.
... Drogenabhängigkeit, Arbeitslosigkeit u.a.
Dabei trifft die Krankheit einerseits sozial schwer Benachteiligte oder sonst bereits Kranke (Drogenabhängige, psychisch Kranke), andererseits lässt die HIV-Infektion bzw. die AIDS-Erkrankung Menschen vereinsamen und verarmen.

Claudia Kuderna: "Wir sehen sehr viele multiproblematische Patienten. Bei manchen ist HIV nicht das größte Problem. Viele weisen Symptome der Langzeitarbeitslosigkeit auf oder sind drogenabhängig." Da schafften es nur wenige Betroffene, in den "1. Arbeitsmarkt" zurückzukommen.

Die AIDS-Hilfe-Geschäftsführerin: "Die Leute leben zwar länger, aber sie sagen: 'Die Therapie hat mir Lebensjahre geschenkt, aber was soll ich mit diesen Lebensjahren machen'?"
Hälfte der Patienten lebt in Wien
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) betonte die unerhörte Wichtigkeit der Prävention von AIDS-Infektionen: "In Österreich sind seit dem ersten AIDS-Fall im Jahr 1983 2.389 Menschen erkrankt. Derzeit werden etwa 1.000 Patienten behandelt. Die Hälfte der HIV-Infizierten lebt in Wien, in Oberösterreich 16 Prozent und in Tirol zehn Prozent."
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Bis zu 15.000 Personen infiziert
Geschätzte 8.800 Menschen in Österreich sind HIV-positiv, die AIDS-Hilfe Wien rechnet aber mit einer Dunkelziffer von bis zu 15.000 infizierten Personen. Zwei Drittel der HIV-Infizierten sind Männer, ein Drittel Frauen.
->   AIDS-Statistiken Österreich (Gesundheitsministerium)
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Heuer mehr Neuinfektionen
Das Ziel könne nur sein, die Zahl der Neuinfektionen zu verringern. In der Vergangenheit seien es pro Jahr zwischen 400 und 440 gewesen. "Auf Grund der Daten aus den ersten drei Quartalen ist zu befürchten, dass dieser Wert in diesem Jahr überschritten werden könnte," so die Gesundheitsministerin.

Man rechnet mit rund 480 HIV-Neuinfektionen in Österreich in diesem Jahr.

[science.ORF.at/APA, 29.11.04]
->   HIV-Infektionen nehmen zu (oesterreich.ORF.at)
->   AIDS-Hilfe Wien
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01.01.2010