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Hormon gegen Jo-Jo-Effekt beim Abnehmen  
  Nahezu jeder, der schon einmal eine Abmagerungskur gemacht hat, kennt den Jo-Jo-Effekt: die rasche Gewichtszunahme nach dem Abspecken. Nach Erkenntnissen deutscher Mediziner könnte ein Hormon diesen Teufelskreis durchbrechen.  
Forscher der Medizinischen Universität Lübeck haben entdeckt, dass das Hormon Alpha-MSH nach einer Diät das Wunschgewicht zu halten hilft. An einem hormonhaltigen Nasenspray wird zur Zeit gearbeitet.
Dickleibigkeit ist hormonell bedingt
"Bisher stecken übergewichtige Menschen in einem Teufelskreis. Sie nehmen durch Diät und Fasten tatsächlich ab, aber sobald sie wieder normal essen, tut ihr Körper alles, um wieder zum alten Gewicht zurückzukehren", sagt der Direktor der Medizinischen Klinik I der Lübecker Universität, Horst Lorenz Fehm.

"Das hat nichts mit Willensschwäche zu tun, sondern mit der hormonell gesteuerten Gewichtsregulierung." Bei ihnen sei der Regulationsmechanismus im Gehirn wie ein zu hoch eingestellter Thermostat auf einen hohen Anteil von Fettgewebe am Körpergewicht programmiert.
MSH dämpft Appetit
Das Hormon MSH könne diesen Teufelskreis durchbrechen. Das zeigen die Ergebnisse der Klinischen Forschergruppe der Medizinischen Klinik I nach Ansicht Fehms. "Es dämpft über das Zentralnervensystem den Appetit und erhöht zugleich die Kalorienabgabe des Körpers", erläutert Fehm.

Doch auch das haben die Lübecker Forscher herausgefunden: "Der MSH-Spray ist kein Wundermittel zum Abnehmen", sagt Fehm. "Er kann nur helfen, das Gewicht zu halten."
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MSH
Die Abkürzung "MSH" steht für "Melanozyten stimulierendes Hormon." MSH, auch Melanotropin genannt, ist ein so genanntes Polypeptidhormon, das aus bestimmten Zellen der Hirnanhangdrüse abgegeben wird.

MSH ist an der Regulation des Körpergewichts beteiligt und wirkt zudem als so genannter Neuromodulator des Nervensystems. Auf diese Weise beenflusst es etwa die Temperaturregulation, Einflüsse auf Wachstums- und Lernprozesse werden z. Zt. ebenfalls diskutiert.
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Nasenspray: Überwindung der Blut-Hirn-Schranke
Das körpereigene Hormon MSH dient eigentlich der Pigmentierung von Haut und Haaren. Dass es auch bei der Gewichtsregulierung eine Rolle spielt, ist bereits seit sechs Jahren bekannt. Da jedoch MSH als Eiweißstoff die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann, standen die Mediziner bisher vor dem Problem der Verabreichung.

"Dann haben wir herausgefunden, dass bestimmte Eiweißhormone über die Nasenschleimhaut ins Gehirn gelangen. So war der Weg frei für den MSH-Nasenspray", beschreibt Fehm das Vorgehen der Klinischen Forschergruppe.
Ohne Diät geringe Wirkung
In einer ersten Versuchsreihe behandelten sie normalgewichtige Probanden mit dem MSH-Nasenspray. "Ganz ohne Diät nahmen die Testpersonen innerhalb von sechs Wochen ein Kilo ab", berichtet Fehm.

Bei übergewichtigen Testpersonen dagegen hatte der Spray keine Wirkung. "Wir wissen noch nicht, warum das so ist, vermuten aber, dass bei Übergewichtigen die Rezeptoren im Gehirn verändert sind", sagt Fehm.
Kein Wundermittel, sondern Medikament gegen Fettsucht
Noch steht nicht fest, ob der Hormonspray überhaupt auf den Markt kommen wird. "Wenn das der Fall sein sollte, dann geht es auch nicht um ein Wundermittel gegen Hüftpölsterchen, sondern um ein Mittel, das Patienten mit krankhaftem Übergewicht helfen soll", sagt Fehm.
->   Universität Lübeck
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01.01.2010