News
Neues aus der Welt der Wissenschaft
 
ORF ON Science :  News :  Wissen und Bildung 
 
Gefunden: Formel für perfektes Rückwärts-Einparken  
  Geübte Fahrer kurbeln es aus den Handgelenken, weniger Geübten treibt es den Schweiß auf die Stirn: das Rückwärts-Einparken. Ob die Lücke für das Auto groß genug und der Einfahrtswinkel richtig ist, weiß man oft erst nach jahrelanger Erfahrung. Ein deutscher Mathematiker will nun die "Formel zum perfekten Einparken" gefunden haben - und damit auch einen länger schwelenden Expertendiskurs beenden.  
Britische Mathematikerin legte vor
Rebecca Hoyle, eine britische Fachkollegin von der University of Surrey bei London, hatte im April dieses Jahres vorgelegt und ein entsprechendes - bislang unveröffentlichtes - Paper präsentiert.

Der Schluss der Mathematiker damals: "Die notwendigen Bedingungen für ein perfektes S-förmiges Parallell-Parkmanöver sind die richtige Startposition, die Größe der verfügbaren Lücke und die korrekte Handhabung der Steuerung innerhalb des verfügbaren Einschlagraumes."

Aus diesen Bedingungen entwickelte Hoyle im Auftrag eines Versicherungskonzerns, der die Zahl von Blechschäden durch fehlerhaftes Einparken verringern wollte, eine Formel.
->   Die "Einpark-Formel" von Rebecca Hoyle (pdf-Datei)
Neue deutsche Formeln
Nachdem die Studie in britischen Zeitungen vorgestellt worden war - unter anderem in der "Times" und im "Independent" - schlägt nun die deutsche Forschungslandschaft zurück.

Norbert Herrmann, Wissenschaftler des Instituts für Angewandte Mathematik der Universität Hannover, lässt über eine Aussendung mitteilen, dass Hoyles Formel entstellt und damit falsch war, sie aber tatsächlich "mathematisch vernünftige" Formeln zum Einparken entwickelt habe. Da sie aber zu grob seien, beschloss er "neue und bessere Formeln" zu entwickeln.
Mathematische Näherung an eine Alltagssituation
 
Grafik: Norbert Herrmann

Herrmann nähert sich mathematisch einer realistischen Einparksituation. Bei einer einfachen Formel mit einem Achtelkreisbogen, also 45 Grad, wie er in der Fahrschule gelehrt wird, steht der Wagen bei Beginn des Manövers mehr als einen Meter neben dem vorderen Auto.

Dies würde sicherlich ein Hupkonzert nach sich ziehen, sinnierte der Mathematiker und ändert den theoretischen Abstand zum vorderen Auto auf 0 Meter - ein Vorrecht der Mathematiker.
Einfahrtswinkel und Größe entscheidend
Uebersicht: Norbert Herrmann
Weitere Typen und ihre idealen "Einpark-Verhältnisse"
Nun gilt: Je kleiner der Einfahrtswinkel, desto kleiner kann auch die Parklücke sein - im optimalen Fall 34 Grad. Nach Anpassungen der Formel an realistische Gegebenheiten rechnete sie Hermann an den gängigen Automodellen durch.

Mit einem Ergebnis, das in der Tendenz nicht, aber in der Präzision dann doch überrascht: Kleine Autos brauchen weniger Platz als große Autos. Der Opel Corsa kommt bei 37 Grad Einfallswinkel auf einen Platzbedarf von 5,93 Metern während der Mercedes E-Klasse bei 38 Grad satte 7,15 Meter benötigt. Bei der Parkplatzsuche sind die Kleinen eben ganz groß.
->   Norbert Herrmann: "Ein mathematisches Modell zum Parallelparken" (pdf-Datei)
Keine mathematische Spielerei
Auch wenn es Herrmann laut Aussendung großen Spaß gemacht hat, die Formel fürs Rückwärts-Einparken zu entwickeln: Sie ist keine mathematische Spielerei. Gefüttert mit dieser Formel könnten Bordcomputer in Zukunft das Rückwärts-Einparken vollautomatisch ablaufen lassen - damit sich auch die Ungeübten entspannt zurücklehnen können.
->   Rebecca Hoyle
->   Norbert Herrmann
 
 
 
ORF ON Science :  News :  Wissen und Bildung 
 

 
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick
01.01.2010