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Mittelmeer: Ähnliches Schicksal wie obere Adria  
  Dem Mittelmeer könnte in wenigen Jahrzehnten das passieren, was sich in den vergangenen Jahren regional in der oberen Adria ereignete: Ganze Areale könnten zu sauerstofffreien, stinkenden Todesfallen werden.  
Das erklärte Gerald Ganssen, Präsident der European Geosciences Union (EGU) bei der EGU-Jahrestagung, die noch bis Freitag in Wien organisiert wird.
Versauerung der Meere bereits messbar
Wie die Geowissenschaftler seit wenigen Jahren wissen, verursacht der erhöhte Gehalt an Kohlendioxid in der Luft nicht nur die zu beobachtende Klimaerwärmung. Das Gas löst sich auch verstärkt in den Meeren und bildet im Wasser Kohlensäure.

Diese Versauerung der Meere ist laut Ganssen im Bereich von Zehntelgraden auf der pH-Skala bereits messbar und zahlreiche und teils folgenschwere Konsequenzen. So löst die Säure im Wasser die Kalkskelette verschiedener Meeresbewohner zunehmend auf.
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Geschädigte Meeresbewohner
Ein Beispiel dafür sind die ohnehin durch die Temperaturen geschädigten Korallenriffe. Aber auch winzige Schalen-tragende Einzeller, sogenannte Foraminiferen sind betroffen. So gibt es Untersuchungen, wonach die Kalk-Schalen um rund 30 Prozent dünner sind als noch vor Jahrzehnten.
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Sauerstoffverbrauch in der Tiefe
Die Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass Organismen mit Kalkschalen zunehmend verschwinden werden und der freiwerdende Kohlenstoff von anderen, schalenlosen Organismen genutzt wird.

Ohne die Speicherung in den Kalkskeletten wird es allerdings auch zu einer Anreicherung von organischen Materialien in und auf den Meeresböden kommen. Das wiederum bewirkt eine verstärkte Abbautätigkeit durch Mikroorganismen, bis der ganze Sauerstoff in der Tiefe verbraucht ist.
Todeszonen und schnellere Erwärmung
Wie bisher nur stellenweise in der oberen Adria könnten so ganze Bereiche des Mittelmeeres zu wahren Todeszonen werden, stinkende Areale, in denen kein Leben mehr möglich ist.

Doch damit nicht genug: Ohne Korallenbänke und Kalkschalen geraten Kohlendioxid und auch andere Treibhaus-Gase verstärkt in die Atmosphäre, die ganze Entwicklung würde sich deutlich beschleunigen.

[science.ORF.at/APA, 15.4.08]
->   Konferenz der EGU in Wien
 
 
 
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01.01.2010