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Geo-Kongress: Klimawandel in allen Disziplinen  
  Noch bis Freitag findet in Wien die Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) statt. Die anwesenden Referenten zeichneten in Sachen Klimawandel ein recht düsteres Bild.  
Gletscher und Eismassen schmelzen messbar, der Meeresspiegel steigt stärker als bisher befürchtet. Auffallend für den Beobachter: Die Einzelergebnisse der verschiedenen Disziplinen (Hydrologen, Gletscherforscher, Polarforscher) passen wie Puzzle-Steine zueinander.
Meeresspiegel: Höher als befürchtet
Laut Simon Holgate vom Proudman Oceanographic Laboratory (POL) in Großbritannien dürfte der Anstieg des Meeresspiegels in diesem Jahrhundert noch deutlich drastischer ausfallen, als etwa vom Weltklimarat (IPCC) prognostiziert. Laut dem im Vorjahr präsentierten vierten Klimabericht des IPCC gehen die Experten von einem Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 79 Zentimeter aus.

Aufgrund neuer Berechnungen und Rekonstruktionen des Meeresspiegels in den vergangenen 2.000 Jahren geht Holgate jetzt von einem Anstieg von bis zu 1,5 Metern aus. Innerhalb einer Spanne von 20 Zentimetern ist der derzeitige Stand des Meeresspiegels der höchste seit 110.000 Jahren.

Alleine der Anteil, welche die abschmelzenden Gletscher zum Meeresspiegelanstieg beitragen, dürfte höher sein, als bisher angenommen, berichtete Graham Cogley von der Trent University (Kanada). 1,4 Millimeter trägt das Gletscherwasser alljährlich bei, bisher ging man von einem bis 1,1 Millimetern aus.
Dramatischer Gletscherverlust
Auch die Verluste an Gletscherfläche nehmen sich mittlerweile dramatisch aus. Noch vor 50 Jahren bedeckten Gletscher weltweit eine Fläche, die etwa der von Frankreich, Belgien und England entsprach. Je nach unterschiedlichen Berechnungen ist bis heute eine Fläche von Belgien, wenn nicht sogar England verschwunden, so Gogley. Alljährlich gehen 1.400 Quadratkilometer oder 0,2 Prozent der Fläche verloren.

Aber nicht nur die Gletscher, auch die Polkappen schmelzen. Vor allem der Sommer 2007 setzte dem nördlichen Eispanzer erheblich zu und das nachhaltig, wie Julienne Stroeve von der University of Colorado (USA) berichtete. So konnte der Eiszuwachs im vergangenen Winter den Verlust des Rekordsommers nicht wettmachen.
Rückkoppelung in Grönland
2007 setzte aber auch dem Grönlandeis zu, auch hier ist mit einer Beschleunigung zu rechnen, so Marco Tedesco von der City University of New York. Das Abschmelzen führt nämlich zu einer Verringerung der sogenannten Albedo, ohne Schnee- und Eisbedeckung nimmt der Boden wesentlich mehr Sonnenwärme auf. 2007 waren die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen in Grönland um bis zu vier Grad zu hoch. Auch das Schmelzwasser führt zu einer Beschleunigung des Abschmelzprozesses.

Heinz Jaksch, APA, 16.4.08
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01.01.2010