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Geowissenschaftler: Tsunami im Mittelmeer kommt  
  Dass es "irgendwann" durch ein Erdbeben zu einem Mittelmeer-Tsunami kommen wird, steht für europäische Forscher so gut wie fest. Vorbereitet sind die Anrainerländer darauf aber noch immer nicht.  
"Wir sind ziemlich sicher", meinte der italienische Geophysiker Stefano Tinti von der Universität Bologna, verantwortlich für das europäische Tsunami-Warnsystem.

"Es ist nur eine Frage der Zeit. Aber wir wagen keine öffentliche Prognose, wann das sein wird", sagte Tinti am Rande der Jahresversammlung der Europäischen Geowissenschaftler (EGU), die im April 2008 in Wien stattfand.
Alle hundert Jahre größerer Tsunami
Am 26. Dezember 2004 war nach einem heftigen Erdbeben unter dem Indischen Ozean ein gewaltiger Tsunami entstanden. Die Flutwelle tötete Hunderttausende und richtete vor allem in Indonesien, Thailand und Sri Lanka schwere Verwüstungen an.

Im Mittelmeer ist nach Expertenschätzungen etwa alle 100 Jahre mit einem größeren Tsunami zu rechnen. So hatte etwa 1908 nach einem Erdbeben unter der Meerenge von Messina eine Flutwelle auf Sizilien und in Kalabrien Hunderte Menschen getötet. In den 1950er Jahren verwüstete eine Flutwelle die Kykladeninsel Amorgos.
"Kein Ort am Mittelmeer sicher"
Nach Ansicht Tintis würde ein umfassendes Tsunami-Warnsystem für das am stärksten gefährdete Mittelmeer "nicht mehr als mehrere zehn Millionen Euro" kosten. Im Mittelmeerraum fehle es vor allem an modernen Gezeitenmessgeräten an den Küsten.

Die einzelnen Länder verfügten zwar über nationale seismologische Überwachungszentren, die jedoch noch nicht für den Einsatz als nationale Warnzentren eingerichtet seien. "Zurzeit ist noch kein Ort am Mittelmeer sicher", so Tinti.
Italien und Griechenland besonders gefährdet
Nach Aussagen seines griechischen Kollegen Gerassimos Papadopulos von der Universität Athen sind Italien und Griechenland besonders erdbeben- und damit Tsunami-gefährdet. Vor allem Griechenland werde regelmäßig von Erdstößen heimgesucht.

"Wenn jemand vor dem Dezember 2004 vor den verheerenden Folgen einer schweren Tsunami-Flut gewarnt hätte, hätten vermutlich alle gelacht", warnte Papadopulos. Er nannte es "entscheidend, dass wir vorbereitet sind".

[science.ORF.at/APA/dpa, 17.4.08]
->   Stefano Tinti
->   Das Stichwort "Tsunami" im science.ORF.at-Archiv
 
 
 
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01.01.2010