News
Neues aus der Welt der Wissenschaft
 
ORF ON Science :  News :  Umwelt und Klima 
 
Immer mehr "Todeszonen" in den Weltmeeren  
  In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der sauerstoffarmen "Todeszonen" in den Meeren um fast ein Drittel zugenommen. Verantwortlich sind Nährstoffe, die über Flüsse in die Meere gelangen.  
Neben der Überfischung, der Zerstörung mariner Lebensräume und dem Auftreten gefährlicher Algenblüten zähle der Sauerstoffmangel mittlerweile zu den größten Umweltproblemen der Meere, berichten US-amerikanischen und schwedischen Wissenschaftler.
...
Die Studie "Spreading Dead Zones and Consequences for Marine Ecosystems" von R.J. Diaz et al ist in der aktuellen Ausgabe von "Science" (Bd. 321, 14. August 2008, DOI: 10.1126/science.1156401) erschienen.
->   Studie (sobald online)
...
400 "Todeszonen" weltweit
Robert Diaz vom Virginia Institute of Marine Science und Rutger Rosenberg von der Universität Göteborg analysierten zahlreiche Studien aus den vergangenen Jahrzehnten, in denen sich Angaben über Meeresgebiete mit Sauerstoffmangel fanden.

Demnach wurde erstmals in den 1930er Jahren von "Todeszonen" in der Ostsee berichtet. Das Problem weitete sich in den 1960er Jahren merklich aus: Damals kam es zu einem steilen Anstieg des Düngemittelverbrauchs in der Landwirtschaft, woraufhin auch erheblich mehr Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphate in die Meere gelangten.

1995 waren 305 Meeresregionen von Sauerstoffarmut betroffen, heute sind es über 400. Seit den 1960er Jahren bis zur Jahrtausendwende hat sich laut den Forschern die Zahl der "Todeszonen" jedes Jahrzehnt fast verdoppelt.
Nährstoffe fördern Algenwachstum
Die Gesamtfläche an sogenannten "oxygen minimum zones" (Sauerstoffminimumgebieten) erreiche heute mehr als 245.000 Quadratkilometer, das entspricht etwa zwei Dritteln Deutschlands. Das größte Korallenriff der Welt, das Great Barrier Reef in Australien, umfasst ein Gebiet von 230.000 Quadratkilometern.

Laut der aktuellen Studie entsteht die Sauerstoffarmut, weil der erhöhte Eintrag von Nährstoffen das Wachstum von Algen massiv fördert. Sinken abgestorbene Algen auf den Meeresboden, werden sie von Bakterien zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht und der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt.
Lebewesen sterben infolge des Sauerstoffmangels
Infolge dessen sterben zunächst die Lebewesen in Bodennähe, später auch die weiter oben lebenden Fische und Meeresbewohner. Oft wird der Sauerstoffmangel erst dann beachtet, wenn die Fischerei unter den Folgen zu leiden beginnt, schreiben die Forscher.

Im Kattegat etwa sei das Problem der Sauerstoffarmut erst Jahre nach den ersten Berichten darüber ernst genommen worden ¬ als es zu einem massiven Fischsterben und dem Zusammenbruch der norwegischen Hummerfischerei kam.
Erholung wäre möglich
Um eine weitere Ausbreitung der "Todeszonen" zu verhindern und betroffene Regionen zu regenerieren, muss laut den Wissenschaftlern der Eintrag von Nährstoffen in Küstengewässer verhindert werden.

Eine Erholung der Gebiete sei möglich. Im Schwarzen Meer etwa habe sich ein sauerstoffarmer Bereich zwischen 1973 und 1990 auf mehr als 40.000 Quadratkilometer ausgeweitet. Nachdem 1989 staatliche Fördergelder für den Einsatz von Düngemitteln gestrichen wurden, habe der Nährstoffeintrag rapide abgenommen. 1995 war die "Todeszone" dann wieder verschwunden.

[science.ORF.at/APA/dpa, 14.8.08]
->   Robert J.Diaz
Aktuelles zum Thema in sience.ORF.at:
->   Erfolgreicher Meeresschutz in Großbritannien (18.7.08)
->   Drei Viertel karibischer Riffe geschädigt (9.7.08)
->   WWF: Den Meeren geht die Luft aus(6.6.08)
 
 
 
ORF ON Science :  News :  Umwelt und Klima 
 

 
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick
01.01.2010