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Kühe zeigen Sinn für Magnetismus  
  Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen dem Magnetfeld der Erde und der Ausrichtung grasender Kühe entdeckt. Es sieht aus, als würden Kühe lieber mit dem Kopf nach Norden oder Süden rasten.  
Ausrichtung von Kühen: Ein bekanntes Phänomen
Unter Bauern ist das Phänomen lange bekannt: Kühe in Herden blicken beim Grasen in dieselbe Richtung. Es gab Studien zu diesem Phänomen, die belegten, dass Kühe an kalten Tagen der Sonne eine möglichst große Fläche bieten um nicht so schnell abzukühlen.

Was bestimmt jedoch an sonnigen windstillen Tagen die Ausrichtung der Kühe? Forscher der Universität Duisburg gingen dieser Frage nach und entdeckten Erstaunliches. Es sieht so aus, als würden sich die Tiere nach den magnetischen Feldlinien der Erde ausrichten.
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Die Studie "Alignment in grazing and resting cattle and deer: What herdsmen and hunters have never noticed" ist am 26. August in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (doi: 10.1073/pnas.0803650105) erschienen.
->   Zur Studie
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Nord-Süd Ausrichtung auf Satellitenbildern
Die Wissenschaftler um die Essener Forscherin Sabine Begall sind durch die Auswertung von Fotos des Satellitenbildprogramms Google Earth auf das Phänomen aufmerksam geworden. Sie analysierten Aufnahmen von weltweit 308 Weiden und insgesamt 8.510 Tieren. Die Statistik ist eindeutig, es gibt eine klare Tendenz zu einer Nord-Süd Ausrichtung der Kühe.

"Daraufhin ist die Idee entstanden, auch größere Säugetiere auf einen Sinn für Magnetismus zu untersuchen", berichtete Begall gegenüber der dpa. Die bei den Kühen mit Hilfe von Google Earth gefunden Ergebnisse seien "hoch signifikant".
Andere Faktoren sind auszuschließen
Dabei kann man die Einflüsse von Wind und Sonne auf das Verhalten der Tiere ausschließen. "Wenn sich die Tiere etwa nach der Sonne ausgerichtet hätte, hätte sich dies je nach der Uhrzeit ändern müssen", sagte Begall.

Auch der Einfluss von Winden kann in der Studie ausgeschlossen werden. In der beobachteten Region gibt es vor allem Luftströme von Westen nach Osten. Wären die Winde stark genug, wäre die Rinderherde parallel dazu ausgerichtet.

Ist das nicht der Fall, kann angenommen werden, dass es während des Untersuchungszeitraums windstill war, was normalerweise zu einer zufallsverteilten Anordnung der Kühe führen würde.

Die einzige Erklärung für die Nord-Süd Ausrichtung der Tiere wäre demnach ihr Gespür für das Magnetfeld der Erde.
Tiere mit Kompass
Bei Vögeln ist die Orientierung am Magnetfeld der Erde bereits gut erforscht. Auch bei verschiedenen Nagetieren sowie einer Fledermausart ist ein Magnetsinn bekannt.

So orientiert sich etwa der hamstergroße afrikanischen Graumull beim unterirdischen Nestbau am Magnetfeld der Erde.

Bei Rindern könnte das Magnetfeld ebenfalls einen Einfluss auf physiologische Vorgänge im Körper der Tiere wie etwa die Milchproduktion haben.
Magnetsinn auch bei Menschen vorhanden ?
Die entsprechenden Sensoren für Magnetismus vermuten Forscher in der Hornhaut des Auges. Ob auch Menschen solche Sensoren besitzen, ist derzeit noch unklar.

Bei kommenden Forschungsarbeiten wollen sich die Essener Wissenschaftler zunächst auf andere große Säugetiere wie Schafe, Pferde oder Wildschweine konzentrieren, um diese Frage irgendwann beantworten zu können.

[science.ORF.at/APA/dpa, 26.8.08]
->   Zoologie - Universität Duisburg Essen
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01.01.2010