News
Neues aus der Welt der Wissenschaft
 
ORF ON Science :  News :  Leben 
 
Duftsignale weisen "Nemo" den Weg nach Hause  
  "Nemo" hieß der junge Clownfisch eines erfolgreichen Animationsfilms aus dem Jahr 2003, der mit Hilfe seines Vaters den Weg nach Hause fand. Der Plot könnte Pate gestanden haben für eine aktuelle Studie internationaler Zoologen: Sie haben herausgefunden, wie Clownfische aus dem offenen Meer zurück zu ihren Heimatriffen finden.  
Es sind offenbar Duftsignale - der Geruch im Wasser treibender Blätter und Anemonen -, die "Nemo" und Co den Weg nach Hause weisen.
...
Die entsprechende Studie "Coral reef fish smell leaves to find island homes" ist am 27.8. in den "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences" erschienen (doi:10.1098/rspb.2008.0876).
->   Abstract der Studie (sobald online)
...
Larven werden ins offene Meer gespült
 
Bild: Simon Thorrold

Ein Clownfisch, aufgenommen vor der Insel Kimbe in Papua Neuguinea

Clownfische (Amphiprion percula) leben im tropischen Indopazifik in küstennahen Korallenriffen. Dort bilden sie eine Lebensgemeinschaft mit Seeanemonen, in denen sie auch ihre Eier ablegen.

Nach dem Schlüpfen werden die Larven von der Strömung ins offene Meer getrieben, wo sie die nächsten zehn bis 20 Tage verbringen. Dann schwimmen sie zurück zu ihren Heimatriffen oder zu anderen Riffen mit ähnlichen Eigenschaften.

Wie sie den Weg dorthin finden, war Experten bislang unklar.
Heimatdüfte: Wasser mit Blättern und Seenanomen
Die Wissenschaftler um Simon Thorrold von der Woods Hole Oceanographic Institution zeigten nun, dass ihnen Duftsignale dabei helfen. In einer Reihe von Versuchen in Papua-Neuguinea demonstrierten sie, dass sich die Fische lieber in Wasser aufhalten, das an einem inselnahen Riff entnommen wurde als in solchem, das von inselfernen Riffen stammte.

Auch Wasser, das zuvor entweder mit Blättern von Inselpflanzen oder mit Seeanemonen versetzt wurde, zogen sie unbehandeltem Wasser vor.

Chemische Substanzen von Blättern seien für die Clownfische eines der Signale, die sie zu ihren Riffen locken, folgern die Wissenschaftler.
Geruchsunterscheidung scheint angeboren
Bild: Simon Thorrold
Der echte Fisch ...
Verglichen mit Duftsignalen der Anemonen hätten die Lockstoffe der Blätter den Vorteil, dass sie wahrscheinlich über weitere Distanzen wahrgenommen werden können. Blätter und andere organische Substanzen trieben nämlich beträchtliche Strecken von den Riffen weg.

In einem weiteren Experiment zeigten die Wissenschaftler, dass die Fähigkeit zur Wahrnehmung des "Heimatgeruchs" angeboren ist: Auch im Labor aufgezogene Fischlarven bevorzugten Wasser aus heimatlichen Gefilden.
Gemeinsamer Schutz von Meeresräumen und Regenwäldern
Bild: EPA
... und seine Disney-Variante
Um den Lebensraum der Clownfische zu erhalten, sei es daher nötig, auch nahe gelegene ländliche Regionen zu schützen, schreiben die Forscher weiter. ´

Der Schutz ihrer marinen Lebensräume und der Regenwälder, die sie umgeben, sollte in Zukunft stärker gemeinsam bedacht werden.

[science.ORF.at/dpa, 27.8.08]
->   Clownfische (Wikipedia)
->   Woods Hole Oceanographic Institution
->   Findet Nemo (Disney)
Mehr zum Thema in science.ORF.at:
->   Clownfische "sprechen" mit Zungenbein und Kiefer
->   "Nemo" findet doch nach Hause
 
 
 
ORF ON Science :  News :  Leben 
 

 
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick
01.01.2010