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Experten: Biosprit hat weiter Zukunft  
  Biotreibstoffe - lange Zeit als umweltgerechte Alternative zu fossilen Treibstoffen gepriesen - sind zuletzt ins Gerede gekommen. Nicht zuletzt sollen sie für die weltweit stark gestiegenen Preise von Nahrungsmittel verantwortlich sein. Experten haben dem beim Forum Alpbach widersprochen. Sie sehen Biotreibstoffe der zweiten Generation als große Zukunftshoffnung.  
Preissteigerungen ein "kurzzeitiges Phänomen"
Die Herstellung von Biosprit wurde in den letzten Jahren forciert, um die Abhängigkeit von Erdöl zu verringern und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Durch die parallel steigenden Lebensmittelpreise geriet die Verwendung von Weizen, Mais oder Palmöl als Grundstoff für die Treibstofferzeugung aber in die Kritik.

"Ich sehe hier keinen direkten Zusammenhang", sagte der ehemalige Generalsekretär von EuropaBio, Johan Vanhemelrijck bei den Alpbacher Technologiegesprächen. Wenn man die Weizenpreise über einen längeren Zeitraum verfolge, seien die momentanen Preissteigerungen nur ein kurzzeitiges Phänomen.
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Der Vortrag "How sustainable are biofuels really?" war Teil des Arbeitskreises "Myths of the Life Sciences and their consequences" bei den Alpbacher Technologiegesprächen vergangene Woche.
->   Technologiegespräche
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Veränderten Lebensgewohnheiten in Asien
Laut Vanhemelrijk müsse man die veränderten Lebensgewohnheiten in China und Indien als Teuerungsfaktor berücksichtigen: "Das Kopieren des westlichen Lebensstils erhöht den Fleischkonsum und somit den Bedarf an Futter. Was Biotreibstoff angeht, darf man die Relationen nicht aus den Augen verlieren: Derzeit werden nur ein bis zwei Prozent der gesamten globalen Anbaufläche für Energiepflanzen verwendet."
Bioabfälle als künftige Energielieferanten
Mit den Biotreibstoffen der zweiten Generation könne man aber immer mehr auf Nahrungsmittelpflanzen als Grundstoff verzichten.

"Ziel ist es, pflanzliche Abfälle und Holzreste als Hauptenergiequellen zu verwenden. Ebenso wollen wir vermehrt auf Industrieabfälle wie Speiseöl zurückgreifen."

Als weiterer Punkt solle die Effizienz erhöht werden: "Wir müssen erforschen, wie wir aus der gleichen Menge Rohmaterial mehr Energie herausholen können", erklärte Vanhemelrijk.
Subventionen gerechtfertigt
Für Österreich empfiehlt er die Dezentralisierung der Biomüllverwertung. "Bisher gibt es nur wenige Unternehmen, die darauf spezialisiert sind. Es müssen mehr Standorte entstehen, damit lokale Ressourcen eingesetzt werden können und sich die Transportwege verringern."

Deshalb seien Subventionen, eine günstige Besteuerung und eine vorgeschriebene Mindestmenge von Biotreibstoff im Kraftstoffmix gerechtfertigt.

"Wir wollen bis zum Jahr 2020 Biosprit erzeugen, der den Preiswettbewerb mit normalem Benzin besteht. Deshalb brauchen wir jetzt alle finanziellen Unterstützungen, um die Forschung voranzutreiben", so Vanhemelrijk.

Nina Wolf, science.ORF.at, 29.8.08
->   EuropaBio
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01.01.2010