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Forscher: "Missing Link" der Evolution gefunden  
  Ein 47 Millionen Jahre altes Skelett aus Hessen stellt möglicherweise das fehlende Bindeglied der Evolution dar. Laut Forschern könnte es der unbekannte Vorfahre von Menschen, Affen und anderen Primaten sein.  
Seit Tagen kursieren Gerüchte über den Sensationsfund. Nun wurde das Fossil aus der Grube Messel vom norwegische Altertumswissenschaftler Jorn Hurum und seinen Kollegen in New York offiziell präsentiert.
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Die Studie "Complete Primate Skeleton from the Middle Eocene of Messel in Germany: Morphology and Paleobiology"von Jens L. Franzen et al ist in "PloS ONE" online erschienen.
->   Zur Studie
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Bahnbrechende Bedeutung
Bild: epa, Justin Lane
Der Osloer Professor, der das Fossil an der Spitze eines internationalen Forscherteams untersucht hatte, maß dem Fund bahnbrechende Bedeutung für das Verständnis der Entstehung des Menschen zu.

"Das ist das erste Bindeglied zum Menschen - ein Fossil, welches das Welterbe verbindet", so Hurum. Offiziell gaben die Wissenschaftler dem Wesen die Bezeichnung "Darwinius Masillae", inoffiziell tauften sie es auf den Namen "Ida".

Das affenähnliche Tier weist bereits Merkmale auf, wie sie für den Menschen charakteristisch sind: Daumen, die den restlichen Fingern gegenüberstehen, kurze Arme und Beine, nach vorne gerichtete Augen. Anders als Menschen hat es aber einen langen Schwanz.

Video des Ida-Fundes (iptv.ORF.at)
Amateurfund
Den Angaben zufolge hatten Amateure das Skelett bereits im Jahr 1983 in der hessischen Fossiliengrube Messel gefunden, ohne die wissenschaftliche Bedeutung ihres Funds zu ahnen. Sie hätten es in zwei Teilen verkauft; der zweite Teil sei erst unlängst für die Wissenschaft zugänglich geworden und habe dann einen beispiellosen kompletten Blick auf "Ida" ermöglicht.

Hurum und sein Team hatten zwei Jahre an dem fossilen Skelett gearbeitet, das zu 95 Prozent außerordentlich gut erhalten ist. "Dieses Fossil ist dermaßen vollständig, wie es bei Primaten beispiellos ist", sagte Hurum. "Um etwas ähnlich Vollständiges zu sehen, muss man schon zu einer menschlichen Beerdigung gehen."
Extrem gut erhaltene Überreste
"Ida" stammt aus einer Zeit, in der die derzeitige Welt Gestalt anzunehmen begann. Die Dinosaurier waren bereits ausgestorben, eine große Vielfalt von Säugetieren durchstreifte dichte Wälder. Der britische Naturforscher und Wissenschaftsfilmer David Attenborough bezeichnete "Ida" als das fehlende Bindeglied bei der Entstehung von Menschen und Affen. "Die kleine Kreatur zeigt uns unsere Verbindung mit den restlichen Säugetieren", sagte er.

Den Wissenschaftlern zufolge weist "Ida" ein gebrochenes Gelenk auf. Sie halten es für denkbar, dass das Wesen beim Trinken im Messel-See von Kohlendioxid-Dämpfen betäubt wurde, ohnmächtig ins Wasser fiel und zu Boden sank, wo eine besondere chemische Umgebung es für die folgenden 47 Millionen Jahre konservierte. Die Überreste seien so gut erhalten, dass sogar der Mageninhalt rekonstruiert werden konnte: Demnach lebte "Ida" von Früchten, Samen und Blättern.

[science.ORF.at/APA/AFP/dpa, 20.5.09]
->   Jorn Hurum
->   "Missing Link" der Evolution soll präsentiert werden (11.5.09)
 
 
 
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01.01.2010