Hans Michael Maitzen
Institut für Astronomie, Universität Wien
 
ORF ON Science :  Hans Michael Maitzen :  Umwelt und Klima .  Kosmos 
 
Mensch - Umwelt - Kosmos: Astronomie und Ökologie (I)  
  Charles Darwin ging davon aus, dass sich die Entwicklung des Lebens auf der Erde ohne wesentliche Einflüsse aus der kosmischen Umwelt vollzieht. Seine Ansicht, dass sich die Biosphäre quasi unter einem kosmischen Glassturz entwickelte, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten einer bedeutenden Revision unterworfen.  
Vor einem Jahrzehnt wurde durch Steven Spielbergs Film "Jurassic Park", das Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren als Folge der Kollision eines Himmelskörpers (Asteroiden oder Kometen) mit der Erdoberfläche im Bereich des heutigen Mexiko (Krater Chicxulub auf der Halbinsel Yucatan) vermittelt.
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"University meets Public" in science.ORF.at
Das Kooperationsprojekt "University meets Public" zwischen dem Verband Wiener Volksbildung und der Universität Wien gibt es seit fünf Jahren. Nach dem Motto "leicht verständlich, unabhängig von Vorbildung und ohne finanzielle Barrieren" werden auch in diesem Semester eine Reihe von Vorträgen und Veranstaltungen angeboten. science.ORF.at stellt einige der Inhalte vor - der zweite Teil des Beitrages von Hans Michael Maitzen erscheint in den kommenden Tagen .

Vortrag von Hans Michael Maitzen: "Astronomie und Ökologie"
Ort: Volksbildungshaus Urania
Zeit: Mi, 5.5.04, 19.00-20.30 Uhr
->   "University meets Public"
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Mittelalterliche Angst vor Kometen
Schon im Mittelalter war durch das Erscheinen von großen Kometen eine Furcht erregende Einwirkung der kosmischen Umwelt auf die Menschen gegeben. Diese Ansicht wurde mit der Zeit aber relativiert, da augenscheinlich die Zahl der Kometen bedeutend, ihre unmittelbare Auswirkung auf die Erde aber vollständig unbedeutend war.

Seit der Entdeckung von Alvarez und Mitarbeitern (1980), dass der Chicxulubkrater und die ihm folgende globale ökologische Katastrophe inklusive des Aussterbens der Dinosaurier durch den Impact eines extraterrestrischen Körpers (Asteroiden oder Kometen) entstand, haben wir ein etwas anderes Verhältnis zu diesen himmlischen Erscheinungen.
Die Entstehung der Planeten
Die Wissenschaft hat gelehrt, dass kosmische Kollisionen mit unserer Erde für die Entwicklung des Lebens bahnbrechend wirken können.

Es entstanden ja nicht nur die Erde, sondern auch die anderen Planeten als Ergebnis von Kollisionen (also Zusammenfügungen) von vorher entstandenen "Planetesimalen", also von primordialen (urzeitlichen) Materiekonzentrationen im eben erst gebildeten Sonnensystem.
Der Mond und seine Auswirkungen
Weiters hat unsere Erde ihren Bruder Mond durch eine gigantische Kollision mit einem marsgroßen Körper eingefangen.

Er ist nicht nur für die Stabilität der Rotation unserer Erde und damit für die stabile Entwicklung des Lebens auf ihr mitverantwortlich, sondern auch für die umweltgestaltende Gezeitenwirkung. Die Entstehung der Weltmeere wird heute durch die Summe der Impakte von wasserhältigen Urkörpern des Sonnensystems, also im Wesentlichen von Kometen, erklärt.
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Milutin Milankovic: Sonnenstrahlung und Astronomie
Der erste Wissenschaftler, der die Auswirkung der veränderlichen Sonnenstrahlung in Abhängigkeit von astronomischen Parametern quantitativ erfasste, war der serbische Astronom Milutin Milankovic (1879-1958). Er fand bereits nach dem Ersten Weltkrieg den Zusammenhang zwischen den Eiszeiten und der Änderung der Erdbahnelemente, vornehmlich der Schiefe der Ekliptik, also der Schrägstellung der Erdachse als Folge der Gravitationswirkung von Sonne und Mond (neben der Präzession der Erdachse und der Exzentrizität der Erdbahn).
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Der Aktivitätszyklus der Sonne
Eine weitere ökologische Auswirkung resultiert aus dem Aktivitätszyklus der Sonne (elf Jahre).

Dieser ist aber auch langperiodischen Schwankungen unterworfen: Es kann als geschichtliche Kuriosität angesehen werden, dass Galileo Galilei, der mit seinem Fernrohr ab 1610 unter anderem auch die Flecken auf der Sonne registrierte, dieselben in den späteren Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts nicht mehr hätte beobachten können, weil die Sonne ab ca. der Mitte des Jahrhunderts bis ungefähr 1715 in eine Art Winterschlaf verfiel. Das hatte eine so genannte kleine Eiszeit zur Folge.
Baumwachstum als Anhaltspunkt
Eine prinzipielle Methode zur Erforschung der Auswirkung der Sonnenaktivität auf die ökologische Situation der Erde ergibt sich aus dem Wachstum der Bäume. Die entsprechende Wissenschaft - Dendrologie - versucht das "Gedächtnis" der Bäume zu ergründen und dabei auch die globale, also generell sonnenbedingte Situation zu eruieren.
Einfluss auf Viren?
Das komplette Spektrum der physikalischen Auswirkungen des Aktivitätszyklus der Sonne auf die ökologischen Systeme der Erde ist noch weitgehend unerforscht (es gibt zum Beispiel Vermutungen, dass virenbedingte Krankheiten und Epidemien dadurch beeinflusst werden).
Unbestritten: Wirkung des Mondes
Hingegen ist die Wirkung des Mondes hinsichtlich seiner Gravitation - Gezeiten - als auch seiner Leuchtwirkung unbestritten. Zumindest hinsichtlich des weiblichen Monatszyklus, aber auch einer Reihe von Phänomenen aus dem Fauna/Florabereich, sind Korrelationen offenkundig.

Es wird an der zukünftigen Bioforschung liegen, die wirklichen von den nur behaupteten physikalischen Einflüssen des Mondes zu unterscheiden.
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Hans Michael Maitzen ist Professor für Astronomie an der Universität Wien und schreibt als science.ORF.at-Host Beiträge.
->   Sämtliche Beiträge von H.M. Maitzen in science.ORF.at
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->   Institut für Astronomie der Universität Wien
"University meets Public" 2004 in science.ORF.at:
->   Straßen, Plätze und Parks und ihre Freiraumqualitäten (3.5.04)
->   Vulkane in Ecuador im Forschervisier (28.4.04)
->   Ostereier & Co: Die Wissenschaft vom richtigen Kochen (11.4.04)
->   Statistik: Der (falsche) Umgang mit den Zahlen (7.4.04)
->   Michael Ley: Das Ende des europäischen Nationalismus (9.3.04)
 
 
 
ORF ON Science :  Hans Michael Maitzen :  Umwelt und Klima .  Kosmos 
 

 
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