Hans Michael Maitzen
Institut für Astronomie, Universität Wien
 
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Großbritannien bei der Europäischen Südsternwarte  
  Ein Meilenstein in der Entwicklung der ESO war das Treffen des ESO-Rates in London am Montag, bei dem formell das Vereinigte Königreich als neues Mitgliedsland der Europäischen Südsternwarte begrüßt wurde.  
Das Ende einer undendlichen Geschichte
Dieser Schritt bedeutet das erfolgreiche Ende einer fast unendlichen Geschichte. Denn britische Astronomen waren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg unter jenen europäischen Wissenschaftern, die eine Initiative zum Aufholen des verlorenen Terrains gegenüber der boomenden US-Astronomie (Hubble-Expansion, Mt.Palomar etc.) forderten und sie auch in den Anfangsphasen mittrugen.

Es war das Projekt einer Europäischen Südsternwarte, das in gemeinsamer wissenschaftlicher, technologischer und finanzieller Anstrengung - einzelne Staaten konnten mit den gewaltigen Investitionen der USA ja nicht konkurrieren - die europäische astronomische Forschung wieder an die vorderste Front der Erforschung des Weltraums bringen sollte, vor allem auch durch die Beobachtung des noch relativ unerforschten, aber in vieler Hinsicht besonders interessanten südlichen Sternenhimmels.
Gründungsdokument der ESO ohne Großbritannien
Im Oktober 1962, also vor fast genau 40 Jahren wurde das Gründungsdokument der ESO in Paris unterzeichnet, aber Großbritannien war nicht dabei, hatte beschlossen eigene Wege in der Erforschung des Universums zu gehen.

In den vergangenen 40 Jahren, als Musterbeispiel europäischer Zusammenarbeit, hatte aber ESO in Chile ein astronomisches Zentrum aufgebaut, das seinesgleichen in der Welt sucht.
Wettbewerbsfähigkeit durch Beitritt zur ESO
Wie an der eben stattgefunden ESO-Ratssitzung betont wurde, war nach dem erfolgreichen Wirken des Observatoriums La Silla seit 1969 mit zwei 4 Meter-Klasse Teleskopen nebst einer größeren Zahl kleinerer Fernrohre vor allem die Installation des Very Large Telescope (VLT), des größten optischen Teleskopsystems der Welt, sowie die Ausbaupläne hinsichtlich eines "Atacama Large Millimeter Array" (ALMA) im chilenischen Altiplano in 5000 Metern Seehöhe und auch der Plan ein Teleskop mit 100 Metern Öffnung zu bauen, der Anlass für die britische Astronomie, den Beitritt zu ESO anzustreben, weil ohne diesen keine Wettbewerbsfähigkeit im Spitzenfeld der internationalen astronomischen Forschung mehr gegeben sein konnte.

Die britische Regierung hat für den Weg in die ESO den Gegenwert von 150 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre zur Verfügung gestellt.
Beitrittsinitiativen auch in Österreich
Dieser Beitritt eines der bedeutendsten Länder der astronomischen Forschung steht am Beginn der sich gegenwärtig konkretisierenden ESO-Erweiterung, in der auch Österreich inbegriffen sein könnte, wenn die entsprechenden Initiativen der österreichischen Astronomie - es gibt seit 2 Jahren eine gesamtösterreichische ESO-Arbeitsgruppe - durch die österreichische Regierung hinsichtlich des Beitritts endlich materialisiert würden.

Neben dem neuen Mitglied Großbritannien sind zur Zeit Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Portugal, Schweden und Schweiz bei der ESO.
Erste Versuche bereits in den 70er Jahren
Erste Versuche österreichischer Astronomen datieren ja schon zurück in die 70er Jahre. Insofern ist die Situation der österreichischen Astronomie mit der britischen vergleichbar: Es handelt sich um eine (fast) unendliche Geschichte. Es ist zu hoffen, dass das britische Beispiel die Entscheidungsträger unseres Landes motiviert, Gleiches zu tun.
->   Österreich und ESO
->   Beiträge von Hans Michael Maitzen in science.ORF.at
 
 
 
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